Laß im Geist mich deine Berge grüssen,
Laß im Geist mich deine Thäler seh'n,
In der Wälder grünen Finsternissen,
Auf bemooßter Felsen Spitzen stehn!
Daß ich wieder deiner Silberquellen
Deiner Bäche sanftes Murmeln hör';
Wiederseh' des Waldstroms dunkle Wellen,
Und den wilden Schaum am Klippenwehr!
Sei gegrüßt im Thal du kleine Hütte,
Wo Zufriedenheit und Armuth wohnt!
Nehmt mich auf in eure frohe Mitte,
Gute Menschen, die der Fleiß belohnt!
In der Erde Tiefen will ich steigen,
Klüft und Gänge zwinge meine Hand;
Schätze will ich meinem König reichen,
Dein sei Alles, theures Vaterland! –
Aber mich laß dort im Thale wohnen,
Reiche mir des Lebens Unterhalt!
Wie ein Fürst will ich beglückt dann thronen,
Mein ist Alles, Quellen, Fels und Wald!
Meinen Kittel ändert keine Mode,
Meine Kost weicht keiner Leckerei;
Mein Beruf führt täglich mich zum Tode,
Doch ich trau' auf Gottes Vatertreu!
Drückt mich etwa eine bange Sorge,
Die dieß arme Erdenleben schuf; –
Dann ersteig' ich einen Berg und horche
Neu gestärkt der Gottheit heilgem Ruf';
Er giebt jenen Sonnen Licht und Strahlen,
Er erweckt aus Nacht die todte Welt.
Und enthüllt die Frucht aus festen Schalen,
Schmilzt den hohen Schnee vom Saatenfeld.
O! wohl möchte ich auf deinen Bergen
Meiner Tage letzten einmal sehn!
Möchte dort, beim Lied der ersten Lerchen,
Einst hinab zu meinen Vätern gehn;
In der Heimath Grabe schlaf' ich süsser,
Da noch weint man eine Thräne mir! –
Doch der schwache Mensch weiß nichts gewisser
Leider, als: daß er nichts wisse hier! –
Fußnoten
[1] Merkels Erdbeschreibung von Sachsen wird hier rühmlichst ausgenommen. Auch ist meine Absicht ganz verschieden von dem Zwecke jenes Werkes. – D. Lehmanns Schauplatz entspricht derselben, aber er enthält zu viel Aberglauben, ist zu weitschweifig, und sehr selten zu bekommen.
[2] Daher erinnere man sich, daß ich nicht für Erzgebirger schreibe. Ihnen diene dieses zur Beherzigung, um voreilige Urtheile zu unterdrücken! –
[3] Alle Erzgebirger mögen hier an den Edlen von Bodenhausen bei Leipzig denken!! – Er hat viele hundert Scheffel Getraide den armen Erzgebirgern geschenkt. –