Nun wollen wir weiter gehen. Daher betreten wir den, oben am Ende des Fichtenzaunes mit dem Wasser parallel das Thal durchschneidenden Weg, bei der Vogelstange vorbei, zwischen den Halden,[7] auf welchen im Glanze der Sonne hie und da buntfarbige Schwelkiese flimmern, denn gleich am Wege sieht man das verfallene Mundloch[8] eines Stollens. In der theuern Zeit bauten reiche Holländer mehrere Gruben in diesem Thale, wodurch eine große Anzahl Menschen dem Hungertode entrissen wurden; die gutmüthigen Holländer schickten Geld auf Geld, durch Vorspiegelung eines reichen Gewinnes vermuthlich verleitet, denn auf ihre Kosten untersuchte man das Jugler Gebirge, welches aber leider! nichts enthielt und voll tauber (welche kein Erz enthielten) Gänge war. –

Auf der linken Seite fängt sich nun ein Wald an, dessen größter Theil der Bringerwald heißt und an dem Berge herab längs dem Bache sich fortzieht; weiter hinten ragen aus diesem Walde majestätische mit Gestrippe behangene Felsen hervor und man findet sogar einen kleinen Wasserfall, der sich über das sammtne, grüne Moos silbern herabstürzt. Rechts erblickt man die Hinterseite des Fastenberges, auf dem man die Felder der Johanngeorgenstädter- und Unterjugler-Einwohner sich herabdehnen und unten kleine, von mehrern Gräben gewässerte Wiesen bilden. Da ein jedes Feld und ein jeder Acker in dasiger Gegend gewöhnlich mit einer ziemlichen, leichtgebauten Mauer umgeben ist, welche die Noth bildete, indem man keine andern Plätze hat, wo man die von den Feldern abgelesenen Steine hinwerfe,[9] so fällt es allerliebst in die Augen, wenn man diese mit allerlei Gebüschen bewachsnen, an einander gerichten größern und kleinern Quasischanzen erblickt, belebt von den Schwärmen munterer Vögel. Man trifft diese Mauern um die Felder am häufigsten in der dasigen Gegend.

Während dessen nun sind wir eine hübsche Strecke durch dieses stille, heimliche Thal gewandert und gehen jetzt über eine kleine Brücke, so, daß der Bach uns nun zur Rechten ist. Wir hören ein dumpfes, monotonisches Getöse, – was ist das? – Je weiter wir kommen, desto stärker wird es; jetzt sind wir bei und unter den erwähnten Felsen und sehen vor uns ein hölzernes, ziemlich großes, besonderes Gebäude, woraus das Getöse dringt. Das ist, lieber Leser, wenn du es noch nicht, unkundig des Bergbaues, errathen hast, ein Pochwerk, wo das Erz klar gepocht und zum Schmelzen vorbereitet wird.[10] Dieses monotonische Getöse der Pochwerke, welche meistens, da sie das Wasser treibt, in Thälern angelegt sind, erhöht das Romantische der obergebirgischen Thäler ungemein, vorzüglich in der Ferne gehört, wenn man einsam daherirrt. Jetzt kommen wir noch bei einem solchen Pochwerke vorbei und das Thal wird flacher und weiter.

Wollen wir nun noch weiter hinter und in den düstern Forst wandern, welchen wir vor uns erblicken? Wollen wir den wilden Löbner Grund durchstreichen? – Ja! Muth gefaßt, vorwärts!

Wir gehen jetzt noch bei einem kleinen Hause vorbei und wenden uns dann rechts. – Hu! welch ein schauerliches Dunkel umfängt uns nun, da wir den hohen Tannenforst betreten, welch ein ernstes Schweigen wohnt hier! – Jetzt setzen wir mit leichter Mühe über den Bach, welcher immer kleiner wird und uns bald zu seinem Ursprunge führen wird, wo er das Schwefelbächel heißt. Wir kommen in eine kleine Wiese, mit allerlei Blumen geschmückt, rund herum von hohen, bärtigen Tannen umsäumt; aber es ist ein wenig sumpfig hier. – Nun müssen wir die Zweige der Fichtenbüsche auseinander beugen, um durchzukommen; müssen über gebrochene Tannen und wildes Gestrippe, über runde schlüpfrige Granitblöcke klettern, müssen hie und da über den Bach springen, um ein wenig bequemer gehen zu können. »O! das wird mir zu sauer, wo kommen wir hin?« – wirst du ängstlich ausrufen. Tröste dich und folge muthig! Sieh, wie es zu unsrer Rechten und vor uns schon lichter wird, wie du rechts schon Rasen und Acker durch die Zweige kannst unterscheiden, jetzt ist das Ende der Beschwerden, – wir stehen vor einer Hütte, wie man sich nur immer eine Einsiedlerwohnung aus den Ritterzeiten vorstellen mag. »Und hier in dieser Wildniß wohnen Menschen?« fragst du theilnehmend. Ja, hier wohnt eine arme Bergmannsfamilie; du wirst überhaupt wenig oder gar keine menschenleere Gegenden im obern Erzgebirge finden, auch sorge nicht, es sind ehrliche Leute. –

Nun blicke einmal links den hohen, mit Tannen bedeckten, finstern Berg hinauf, von welchem sich plätschernd der Gießbach herabstürzt; rechts erblickst du einzelne Fichtengebüsche und das Ende der Fluren, zwischen welchen ein Fußsteig in dieses Thal herabläuft. Vor uns gegen Nordwest öffnet sich das Thal zu einer gleichansteigenden Anhöhe, und zwei hohe Tannen bilden gleichsam ein Thor, durch welches wir nun weiter wandern und unsern Weg nach dem Schwefelwerke richten wollen, welches oben vor uns liegt.

Auf freundliche Wiesen kommen wir nun, rechts umgeben uns wieder Aecker und Felder, so wie links das Gebirge waldig sich fortzieht. Endlich sind wir bei dem Schwefelwerke, und nun für die überstandenen Beschwerden erfreue dich durch die Aussicht.

Wende dich nach Morgen,[11] da siehst du, wie sich kesselförmig eine waldige Bergkette an die böhmischen Gebirge anreiht; Johanngeorgenstadt ist vor deinen Blicken verschwunden, aber weiter hin nach Mittag siehst du mehrere böhmische Waldhäuser, Zechen und einen Theil von Platten; du siehst eine Reihe von kahlen und beholzten Bergen, die endlich am fernsten Horizonte in Nebel schwinden. Näher vor dir siehst du wiederum das Weißguth mit seiner Gegend, einen Theil des Farbmühler Thals, die Marianne und alle die schon erblickten Gegenstände von einer andern Ansicht; und ferner den überall sichtbaren Wassergöpel, die Häuersteige,[12] mehrere Zechen und Gebäude und eine ausgedehnte Reihe umbuschter Aecker und Felder. – Hier, und zwar weiter oben, entspringt das Schwefelbächel, welches sich nachher unten im Thale mit einem andern Bache verbindet und so als größerer Bach durch das Farbmühler Thal fließt. –

Man verzeihe mir diese, vielleicht schon mißfallne, Weitläufigkeit, ich halte sie für nöthig und meinem Zwecke angemessener, weil fast gar keine Schriften dieser Art über das obere Erzgebirge existiren. Und wie ich schon erwähnte, will ich nur einen Pfad bahnen, den Andere dann gemächlicher betreten und erweitern können, daher muß ich gründlich und also zu Werke gehen, daß ich Geschichte mit meinen Schilderungen verbinde. –