B. Unser Beryll und Aquamarin.
Mineralogisch ist unser Beryll nur eine Art des Smaragdes, aber in technischer Beziehung betrachtet man ihn als einen eigenthümlichen Edelstein. Er ist nicht so edel als dieser, lange nicht so hart, wird weniger zu Ring- als sonstigen Schmucksteinen verarbeitet, hat nie die dunkelgrüne Farbe des Smaragdes, ist blassgrün, auch blau, gelb und ganz wasserhell, findet sich in langen, durchsichtigen 6seitigen, meist der Länge nach gestreiften Säulen, die häufig mehrere Zoll, zuweilen bis gegen einen Fuss Länge und eine ansehnliche Dimension haben; er besitzt einen blattreichen Bruch und lässt sich erwärmt leicht der Quere nach in durchsichtige Blätter spalten, die concav-convex sind, daher als Brenn- und Augengläser dienen können. Er findet sich nicht in Indien, vorzugsweise in Siberien, hier in grosser Menge, besonders bey Nertschinsk, wo der Berg Odontschelon fast daraus bestehet, auch bey Mursinsk, wo die weingelbe Abänderung vorkommt. Diese Beryllgruben betrieb schon das hohe Alterthum, sie blieben dann liegen, wurden in der neuern Zeit wieder von den Russen aufgenommen. Als man diese Steine kennen lernte, nannte man sie anfangs Chrysolithe und Aquamarine, akwamarin im Russischen, im System stellte man sie zum Topas oder zum Schörl, bis Werner um 1788 sie als eigne Gattung unter dem Namen Beryll fixirte.
βηριλλος der Griechen ist offenbar unser Beryll, wie der berillus der Römer. Man unterschied hier: a) die meergrünen, qui viriditatem puri maris imitantes (unsere eigentlichen Aquamarine), b) chrysoberylli, die blässern goldgelben, c) chrysoprasi, blass grasgrünen, d) hyacinthizontes, e) aëroides, f) cerini, g) oleageni, von der Farbe des Oehles, (vielleicht unser Chrysolith), h) die dem Bergkrystall ähnlichen, wohl unsere wasserhellen. Die smaragdenen Augengläser des Nero, die Plin. 37. 16. erwähnt, können aus diesem Stein bestanden haben; wie man Augengläser aus Glas schliff, übertrug man auf diese den Namen beryllum, daher wohl das Wort Brille, brillier, brillare u.s.w.
Die analogen Namen in den orientalischen Sprachen werden denselben Stein bedeuten, wie berel im Aethiopischen;—beryllion im Koptischen, (woher der griechische Name stammen mag).
brulo, berulo, burlo im Syrischen;—birula im Chaldäischen, auch birla, burla, burl, auch könnte birselin hierher gehören, was mit topazius übersetzt wird; kerum jamma, wird mit beryllus oder chrysolithus übersetzt, mag aber nicht hierher gehören;—büregh im Armenischen.
Im Arabischen wird ballur, bilaur wohl mit beryllus übersetzt, aber die Richtigkeit dürfte zweifelhaft seyn, die Namen hängen wahrscheinlich mit belur (Bergkrystall), ballariji (krystallinisch) zusammen. Taifaschi erwähnt diese Namen nicht, überhaupt, wie es scheint, gar nicht den Beryll; wenn er aber bey dem Smaragde sagt: zu dessen Eigenschaften gehöre die Theilbarkeit in glänzende Blättchen, so passt diess auf den Beryll, nicht auf den Smaragd, vielleicht betrachtete man schon damals, wie jetzo, den Beryll nur als eine Art des Smaragdes.
Im Hebräischen wird schohan mit beryllus übersetzt.
Im Persischen soll der Beryll besady, auch ballur heissen, was ich ganz dahin gestellt seyn lasse; bey Ben Manssur finde ich, weder diese Namen, noch einen andern, der sich auf Beryll beziehen möchte.
In den indischen Sprachen ist mir auch kein hierher gehöriger Name vorgekommen.
akwamarin im Russischen. Es ist mir unbekannt, was dieses Wort bedeutet, und ob daher der Name Aquamarin stammt.