4
Der junge Held, bedeckt mit seinem Schild,
Sprengt unter sie, und wirft mit seinem Speere
Den, der ihr Führer schien, so kräftig von der Mähre,
Daß ihm ein blutiger Strom aus Mund und Nase quillt.
Nun stürzen alle zumahl, des Hauptmanns Fall zu rächen,
Auf seinen Sieger zu, mit Hauen und mit Stechen;
Allein von Scherasmin, der ihm den Rücken deckt,
Wird auf den ersten Schlag ein Pocher hingestreckt;

5
Und auf den andern Troß arbeitet unser Ritter
So unverdrossen los, daß bald ein Zweyter und Dritter
Den Sattel räumt. Auf jeden frischen Zug
Fliegt hier ein Kopf, und dort ein Arm, den Säbel
Noch in der Faust. Nicht minder kräftig schlug
Der Alte zu mit seinem schweren Hebel.
Zu ihrem Mahom schrey'n die Helden fluchend auf,
Und wer noch fliehen kann, der flieht in vollem Lauf.

6
Das Feld liegt grauenhaft mit Leichen und mit Stümmeln
Von Roß und Mann bedeckt, die durch einander wimmeln.
Der Held, so bald sein neuer Spießgesell
Das beste Roß, das seinen Herrn verloren,
Nebst einem guten Schwert sich aus der Beut' erkohren,
Spornt seinen schnaubenden Hengst und eilet vogelschnell
Den Thälern zu, die sich in unabsehbarn Weiten
An des Gebirges Fuß vor ihrem Blick verbreiten.

7
Es schien ein wohl gebautes Land,
Mit Bächen überall durchschnitten,
Die Anger mit Schafen bedeckt, die Auen im Blumengewand,
Und zwischen Palmen die friedlichen Hütten
Der braunen Bewohner verstreut, die froh ihr Tagwerk thun,
In ihrer Armuth reich sich dünken,
Und, wenn sie hungrig und müd' in kühlen Schatten ruhn,
Zum rohen bäurischen Mahl dem Pilger freundlich winken.

8
Hier läßt der Ritter, da ihn die Sonne zu drücken begann,
Sich Brot in frische Milch von einer Hirtin brocken.
Das gute Volk begafft zur Seite, halb erschrocken,
Wie er im Grase liegt, den fremden eisernen Mann;
Allein da Blick und Ton ihm schnell ihr Herz gewann,
So wagen bald Kinder sich hin und spielen mit seinen Locken.
Den tapfern Mann ergetzt ihr traulich frohes Gewühl,
Er wird mit ihnen Kind, und theilt ihr süßes Spiel.

9
Wie selig, denkt er, wär's in diesen Hütten wohnen!
Vergeblicher Wunsch! ihn ruft sein Schicksal anderwärts.
Der Abend winkt. Beym Scheiden wallt sein Herz,
Und, um dem guten Volk das freundliche Mahl zu lohnen,
Wirft Hüon eine Hand voll Gold
Der Wirthin in den Schooß. Allein die Glücklichen wußten
Nicht was es war, und übten das Gastrecht ohne Sold,
So daß die Herren ihr Gold nur wieder nehmen mußten.

10
Nun ritten sie zu, bis endlich, da der Tag
Zu dämmern begann, ein Wald vor ihnen lag.
Freund, spricht der Paladin zum Alten,
Mich brennt's wie Feuer bis ich dem Kaiser Wort gehalten.
Den nächsten Weg nach Bagdad wolltest du
Mich führen? Mir ist's, ich sey vier Jahre schon geritten.
Der nächste Weg, versetzt sein Spießgesell, geht mitten
Durch diesen Wald; allein, ich rath' euch nicht dazu.

11
Man spricht nicht gut von ihm, zum wenigsten noch keiner,
Der sich hinein gewagt, kam jemahls wieder 'raus.
Ihr lächelt? Glaubt mir's, Herr, ein übellauniger kleiner
Boshafter Kobold hält in diesem Walde Haus.
Es wimmelt drin von Füchsen, Hirschen, Rehen,
Die Menschen waren so gut als wir.
Der Himmel weiß in welches wilde Thier
Wir, eh' es morgen wird, uns umgekleidet sehen!

12
Geht nur, erwiedert Siegwins Sohn,
Durch diesen Wald der Weg nach Babylon,
So fürcht' ich nichts.—"Herr, laßt auf meinen Knieen
Euch bitten! Es ist, bey Gott! mir mehr um euch als mich:
Denn gegen diesen Geist, das glaubt mir sicherlich,
Hilft weder Gegenwehr noch Fliehen.
Mit fünf, sechs Tagen später ist's gethan;
Und ach! ihr kommt noch stets zu früh in Bagdad an!

13
Wenn du dich fürchtest, spricht der Ritter,
So bleibe du, ich geh', mein Schluß ist fest.
Das nicht, ruft Scherasmin: der Tod schmeckt immer bitter,
Allein, ein Schelm der seinen Herrn verläßt!
Wenn ihr entschlossen seyd, so folg' ich ohne Zaudern,
Und helf' uns Gott und Unsre Frau zu Acqs!
Wohlan, spricht Hüon, komm! und reitet, bleich wie Wachs,
Den Wald hinein. Der Alte folgt mit Schaudern.