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Hier wadet bis ans Knie geschürzt
Ein Nönnchen im Morast, dort glitscht ein Mönch im Laufen,
Und, wie er sich auf einen Haufen
Von Schwesterchen, die vor ihm rennen, stürzt,
Ergreift er in der Angst die Domina beym Beine.
Doch endlich, als der Sturm sein äußerstes gethan,
Langt athemlos die ganze Korgemeine,
Durchnäßt und wohl bespritzt, im Klostervorhof an.

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Hier war noch alles voll Getümmel,
Als durch das Thor, das weit geöffnet stund,
Mein Scherasmin sich mitten ins Gewimmel
Der Klosterleute stürzt; denn auf geweihtem Grund
Ist's, wie er glaubt, so sicher als im Himmel.
Bald kommt auch Hüon nach; und, wie er gleich den Mund
Eröffnen will, die Freyheit abzubitten,
So steht mit einem Blitz—der Zwerg in ihrer Mitten.

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Auf einmahl ist der Himmel wolkenleer,
Und alles hell und mild und trocken wie vorher.
Schön, wie im Morgenroth ein neugeborner Engel,
Steht er, gestützt auf einen Lilienstängel,
Und um die Schultern hängt ein elfenbeinern Horn.
So schön er ist, kommt doch ein unbekanntes Grauen
Sie alle an: denn Ernst und stiller Zorn
Wölkt sich um seine Augenbrauen.

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Er setzt das Horn an seine Lippen an
Und bläst den lieblichsten Ton. Stracks übermannt den Alten
Ein Schwindelgeist; er kann sich Tanzens nicht enthalten,
Packt eine Nonne ohne Zahn,
Die vor Begierde stirbt ein Tänzchen mitzumachen,
Und hüpft und springt als wie ein junger Bock
So rasch mit ihr herum, daß Schleiertuch und Rock
Weit in die Lüfte wehn, zu allgemeinem Lachen.

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Bald faßt die gleiche Wuth den ganzen Klosterstand;
Ein jeder Büßer nimmt sein Nönnchen bey der Hand,
Und ein Ballet beginnt, wie man so bald nicht wieder
Eins sehen wird. Die Schwestern und die Brüder
Sind keiner Zucht noch Regel sich bewußt;
Leichtfert'ger kann kein Faunentanz sich drehen.
Der einz'ge Hüon bleibt auf seinen Füßen stehen,
Sieht ihren Sprüngen zu, und lacht aus voller Brust.

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Da naht sich ihm der schöne Zwerg, und spricht
In seiner Sprach' ihn an, mit ernstem Angesicht:
Warum entfliehn vor mir, o Hüon von Guyenne?
Wie? du verstummst? Beym Gott des Himmels, den ich kenne,
Antworte mir!—Nun kehrt die Zuversicht
In Hüons Brust zurück. Was willst du mein? erwiedert
Der Jüngling.—Fürchte nichts, spricht jener: wer das Licht
Nicht scheuen darf, der ist mit mir verbrüdert.

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Ich liebte dich von deiner Kindheit an,
Und was ich Gutes dir bestimme,
An keinem Adamskind hab' ich es je gethan!
Dein Herz ist rein, dein Wandel ohne Krümme,
Wo Pflicht und Ehre ruft, fragst du nicht Fleisch und Blut,
Hast Glauben an dich selbst, hast in der Prüfung Muth:
So kann mein Schutz dir niemahls fehlen,
Denn meine Strafgewalt trifft nur befleckte Seelen.

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Wär' nicht dieß Klostervolk ein heuchlerisch Gezücht,
Belög' ihr keuscher Blick, ihr leiser Bußton nicht
Ein heimlich strafbares Gewissen,
Sie ständen, trotz dem Horn, wie du, auf ihren Füßen.
Auch Scherasmin, für den sein redlich Auge spricht,
Muß seiner Zunge Frevel büßen.
Sie alle tanzen nicht weil sie der Kitzel sticht,
Die Armen tanzen weil sie müssen.

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Indem beginnt ein neuer Wirbelwind
Den Faunentanz noch schneller umzuwälzen;
Sie springen so hoch, und drehn sich so geschwind,
Daß sie in eigner Gluth wie Schnee im Thauwind schmelzen,
Und jedes zappelnde Herz bis an die Kehle schlägt.
Des Ritters Menschlichkeit erträgt
Den Anblick länger nicht; er denkt, es wäre Schade
Um all das junge Blut, und fleht für sie um Gnade.

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Der schöne Zwerg schwingt seinen Lilienstab,
Und stracks zerrinnt der dicke Zauberschwindel;
Versteinert stehn Sankt Antons fette Mündel,
Und jedes Nönnchen, bleich als stieg' es aus dem Grab,
Eilt, Schleier, Rock, und was sich sonst im Springen
Verschoben hat, in Richtigkeit zu bringen.
Nur Scherasmin, zu alt für solchen Scherz,
Sinkt kraftlos um, und glaubt ihm berste gleich das Herz.