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Habt ihr das Götterwerk von Glykon je gesehen,
Den großen Sohn der langen Wundernacht,
Im Urbild, oder nur in Gypse nachgemacht,
So denkt, ihr seht den Mann leibhaftig vor euch stehen,
Der in der schönen Mondscheinsnacht
Die arme Angela aufs äußerste gebracht.
Ihn hätte, wie er lag, von unsern neuern Alten
Der Schlauste für ein Bild vom Herkules gehalten;
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Für einen Herkules in Ruh,
Als er dem Augias den Marmorstall gemistet;
So breit geschultert, hoch gebrüstet
Lag Angulaffer da; auch traf die Kleidung zu.
Der Ritter stutzt: denn in den Alterthümern
Lag seine Stärke nicht; und so, vorm keuschen Blick
Des Tages, im Kostum der Heldenzeit zu schimmern,
Däucht ihm ein wahres Heidenstück.
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Nun, flüstert ihm die Jungfrau, edler Ritter,
Was zögert ihr? Er schläft. Den Ring, und einen Hieb,
So ist's gethan!—"Dazu ist mir mein Ruhm zu lieb.
Ein Feind, der schlafend liegt, und nackter als ein Splitter,
Schläft sicher neben mir: erst wecken will ich ihn."
So macht euch wenigstens zuvor des Ringes Meister,
Spricht sie. Der Ritter naht, den Reif ihm abzuziehn,
Und macht, unwissend, sich zum Oberherrn der Geister.
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Der Ring hat, außer mancher Kraft
Die Hüon noch nicht kennt, auch diese Eigenschaft,
An jeden Finger stracks sich biegsam anzufügen;
Klein oder groß, er wird sich dehnen oder schmiegen
Wie's nöthig ist. Der Paladin begafft
Den wundervollen Reif mit schauerlichem Vergnügen,
Faßt drauf des Riesen Arm, und schüttelt ihn mit Macht
So lang' und stark, bis er zuletzt erwacht.
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Kaum fängt der Riese sich zu regen an, so fliehet
Die Tochter Balazins mit einem lauten Schrey.
Herr Hüon, seinem Muth und Ritterstande treu,
Bleibt ruhig stehn. Wie ihn der Heide siehet,
Schreyt er ihn grimmig an: Wer bist du, kleiner Wicht,
Der meinen Morgenschlaf so tollkühn unterbricht?
Dein Köpfchen muß, weil du's von freyen Stücken
Mir vor die Füße legst, dich unerträglich jücken?
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Steh auf und waffne dich, versetzt der Paladin,
Dann, Prahler, soll mein Schwert dir Antwort geben!
Der Himmel sendet mich zur Strafe dich zu ziehn;
Das Ende naht von deinem Sündenleben.
Der Riese, da er ihn so reden hört, erschrickt
Indem er seinen Ring an Hüons Hand erblickt.
Geh, spricht er, eh' mein Blut beginnt zu sieden,
Gieb mir den Ring zurück und ziehe hin in Frieden.
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Ich nahm dir nur was du gestohlen ab,
Und dem er angehört werd' ich ihn wieder geben,
Spricht Hüon; ich verschmäh' ein so geschenktes Leben;
Steh' auf und rüste dich, und komm mit mir herab!
"Du hättest mich im Schlaf ermorden können,
Versetzt der Reck' in immer sanfterm Muth;
Du bist ein Biedermann; mich dau'rt dein junges Blut;
Gieb mir den Ring, den Kopf will ich dir gönnen."
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Feigherziger, ruft Hüon, schäme dich!
Vergebens bettelst du! Stirb, oder, wenn du Leben
Verdienst, verdien' es ritterlich!
Jetzt springt der Unhold auf, daß selbst die Mauern beben;
Sein Auge flammet wie der offne Höllenschlund,
Die Nase schnaubt, Dampf fährt aus seinem Mund;
Er eilt hinweg den Panzer anzulegen,
Der undurchdringlich ist selbst einem Zauberdegen.
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Der Ritter steigt herab, und ungesäumt erscheint
Ganz in verlupptem Stahl sein trotzig sichrer Feind,
Der in der Wuth vergaß, daß vor des Ringes Blitzen
Ihn keine Zauberwaffen schützen.
Allein der erste Stoß, den Hüons gutes Schwert
Auf seinen Harnisch führt, giebt ihm die Todeswunde;
Das Blut schießt wie ein Strom den Hals empor, und sperrt
Des Athems Weg in seinem weiten Schlunde.
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Er fällt, wie auf der Stirn des Taurus eine Fichte
Im Donner stürzt; der Thurm, das Feld umher
Erbebt von seinem Fall; er fühlt sich selbst nicht mehr,
Sein starrend Auge schließt auf ewig sich dem Lichte,
Und den verruchten Geist, von Frevelthaten schwer,
Schon schleppen Teufel ihn zum schrecklichen Gerichte.
Der Sieger wischt vom blutbefleckten Stahl
Das schwarze Gift, und eilt zur Jungfrau in den Sahl.