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Weg war ihr Traum, doch nicht aus ihrem Herzen
Der Jüngling mit dem langen gelben Haar.
Stets schwebt sein Bild, die Quelle süßer Schmerzen,
Bey Tag und Nacht ihr vor, und seit der Stunde war
Der Drusenfürst ihr unerträglich.
Sie konnt' ihn ohne Zorn nicht hören und nicht sehn.
Man gab sich alle Müh die Ursach' auszuspähn;
Umsonst, sie blieb geheim und stumm und unbeweglich.

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Nur ihre Amm' allein, von der ich, wie gesagt,
Die Mutter bin, wußt' endlich Weg' zu finden,
Das seltsame Geheimniß, das sie nagt,
Aus ihrer Brust heraus zu winden.
Allein ihr wißt, ob mit vernünft'gen Gründen
Ein Schaden heilbar ist, der heimlich uns behagt?
Die arme Dame war sich selber gram, und wollte
Daß Fatme dennoch stets dem Übel schmeicheln sollte.

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Indessen kam der Tag, vor dem so sehr ihr graut,
Stets näher. Babekan, um bey der spröden Braut
In beßre Achtung sich zu schwingen,
Ließ wenig unversucht; nur wollte nichts gelingen.
Sie war bekanntlich stets den Tapfern sehr geneigt,
Er hatte sich noch nie in diesem Licht gezeigt:
Laß, sprach er zu sich selbst, uns eine That vollbringen,
Der Unempfindlichen Bewundrung abzuzwingen!

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Nun setzte seit geraumer Zeit
Ein ungeheures Thier das ganze Land in Schrecken:
Es fiel bey hellem Tag in Dörfer und in Flecken,
Und würgte Vieh und Menschen ungescheut.
Man sagt, es habe Drachenflügel,
Und Klauen wie ein Greif und Stacheln wie ein Igel,
Sey größer als ein Elefant,
Und wenn es schnaube, fahr' ein Sturm durchs ganze Land.

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Seit Menschendenken war kein solches Thier erschienen,
Auch stand ein großer Preis auf dessen Kopf gesetzt;
Allein weil jedermann den seinen höher schätzt,
Hat niemand Lust das Schußgeld zu verdienen.
Nur Babekan hielt's des Versuches werth,
Durch eine kühne That der Schönen Stolz zu dämpfen.
Er geht im Pomp zum Sultan, und begehrt
Vergünstigung, den Löwen zu bekämpfen.

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Und als ihm's der, wiewohl nicht gern, gewährt,
Bestieg er heute früh vor Tag sein bestes Pferd,
Und ritt hinaus. Was weiter vorgegangen
Ist unbekannt. Genug, er kam, zu gutem Glück,
Auf einem fremden Gaul, ganz leise, sonder Prangen
Und ohne eine Klau' vom Ungeheu'r zurück.
Man sagt, er habe stracks, so bald er heim gekommen,
Sich hingelegt und Bezoar genommen.

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Bey allem dem sind nun mit unerhörter Pracht
Die Zubereitungen zum Hochzeitfest gemacht;
Unfehlbar wird es morgen vor sich gehen,
Und Rezia sich in der nächsten Nacht
In Babekans verhaßten Armen sehen.—
Eh' dieß geschieht, fuhr Hüon rasch heraus,
Eh' soll das große Rad der Schöpfung stille stehen!
Der Ritter und der Zwerg sind, glaubt mir, auch vom Schmaus.

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Die Alte wundert sich des Wortes, und betrachtet
Genauer, was sie erst nicht sonderlich geachtet,
Des Fremden blaues Aug' und langes gelbes Haar,
Und seinen Ritterschmuck, und daß er nur gebrochen
Arabisch sprach, und daß er schöner war
Als je ein Mann, der in die Augen ihr gestochen:
Das rasche Wort, das er gesprochen,
Und diese Ähnlichkeit! es däucht ihr sonderbar.

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Wo kam er her? warum? wer ist er? zwanzig Fragen
Zu diesem Zweck, die schon auf ihrer Zunge lagen,
Erstickte Hüons Ernst. Er that als wäre Ruh
Ihm noth, und legte sich auf seiner Streu zurechte.
Die Alte wünscht, daß ihm was süßes träumen möchte,
Und trippelt weg, und schließt die Thüre nach sich zu.
Allein wurmstichig war die Thür und hatte Spalten,
Und Vorwitz juckt das Ohr der guten Alten.

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Sie schleicht zurück, und drückt so fest sie kann
Ihr lauschend Ohr an eine Ritze,
Und horcht mit offnem Mund und hält den Athem an.
Die Fremden sprachen laut, und, wie es schien, mit Hitze;
Sie hörte jedes Wort; nur, leider! war kein Sinn
Für eine alte Frau von Babylon darin:
Doch kann sie dann und wann, zum Trost in diesem Leiden,
Den Nahmen Rezia ganz deutlich unterscheiden.