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Wie wundervoll mein Schicksal sich entspinnt!
(Rief Hüon aus) Wie wahr hat Oberon gesprochen,
Schwach ist das Erdenvolk und für die Zukunft blind!
Karl denkt, er habe mir gewiß den Hals gebrochen;
Auf mein Verderben zielt sein Auftrag sichtlich ab,
Und blindlings thut er bloß den Willen des Geschickes:
Der schöne Zwerg reckt seinen Lilienstab,
Und leitet mich im Traum zur Quelle meines Glückes.

60
Und daß (spricht Scherasmin) die Jungfrau, die im Traum
Das Herz euch nahm, gerade die Infante
Des Sultans ist, die Karl zu eurer Braut ernannte;
Daß alles so sich schickt, und daß auch Sie im Traum,
Wie ihr in sie, in Euch entbrannte,
So etwas glaubte man ja seinen Augen kaum!
Und doch, spricht Hüon, hat's die Alte nicht erfunden;
Den Knoten hat das Schicksal selbst gewunden.

61
Nur wie er aufzulösen sey,
Da liegt die Schwierigkeit!—Mich sollte das nicht plagen,
Erwiedert Scherasmin: Herr, darf ich ungescheut
Euch meine schlechte Meinung sagen?
Ich macht' es kurz und schnitt' ihn frisch entzwey.
Dem Junker linker Hand ließ' ich den Luftpaß frey
Und dem Kalifen seine Zähne,
Und hielte mich an meine Dulcimene.

62
Bedenkt's nur selbst, in ihrer Gegenwart
Die Ceremonie mit Kopfab anzufangen,
Hernach vier Backenzähn' und eine Hand voll Bart
Dem alten Herren abverlangen,
Und vor der Nas' ihm gar sein einzig Kind umfangen,
Bey Gott! das hat doch wahrlich keine Art!
Das Schicksal kann unmöglich wollen
Daß wir das Ziel uns selbst so grob verrücken sollen.

63
Zum Glück, daß Oberon das beste schon versah.
Das Hauptwerk ist doch wohl, dem Hasen
Von Bräutigam das Fräulein wegzublasen;
Und dazu hilft die schöne Rezia
Gewiß uns selbst, so bald sie von der Alten
Berichtet ist, das gelbe Haar sey da.—
Mir liegt indessen ob, zwey frische Klepper, nah
Beym Garten des Serai's, zur Flucht bereit zu halten.

64
Herr Scherasmin, (versetzt der Ritter) wie es scheint,
Entfiel euch, daß ich Karln mein Ehrenwort gegeben,
Dem, was er mir gebot, buchstäblich nachzuleben?
Da geht kein Jot davon, mein Freund!
Was draus entstehen kann, das mag daraus entstehen!
Mir ziemt es nicht so was voraus zu sehen.
Im Fall der Noth (erwiedert Scherasmin)
Muß doch zuletzt der Zwerg uns aus dem Wasser ziehn.

65
Allmählich schlummert der Alte unter diesen
Gesprächen ein. Von Hüons Augen bleibt
Der süße Schlaf die Nacht hindurch verwiesen.
Gleich einem Kahn auf hohen Wogen, treibt
Sein ahnend Herz mit ungeduldigem Schwanken
Auf ungestüm sich wälzenden Gedanken:
So nah dem Port; so nah, und doch so weit!
Es ist ein Augenblick, und däucht ihm Ewigkeit.

Fünfter Gesang.

1
Auch dich, o Rezia, floh, auf deinen weichen Schwanen,
Der süße Schlaf. Du sahst in Klippen dich
Verfangen, woraus dir einen Pfad zu bahnen
Unmöglich schien. Verhaßt und fürchterlich
Ist dir das festliche Roth am morgendämmernden Himmel,
Verhaßt der Tag, der dich an Hymens Altar winkt.
Lang' wälzt sie seufzend sich um, bis endlich, vom innern Getümmel
Der Seele betäubt, ihr Haupt herab zum Busen sinkt.

2
Sie schlummert ein, und, ihren Muth zu stützen,
Webt Oberen ein neues Traumgesicht
Vor ihre Stirn. Sie glaubt, bey Mondeslicht,
In einer Laube der Gärten des Harems zu sitzen,
In Fantasieen der Liebe versenkt.
Ein süßes Weh, ein lieblich banges Sehnen
Hebt ihre Brust, ihr Auge schwimmt in Thränen,
Indem sie hoffnungslos an ihren Jüngling denkt.