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Im Nachtgewand, das wie ein Nebel kaum
Den schönen Leib umwallt, fährt jene aus den Lacken
Und fällt entzückt der Amme um den Nacken:
"Gefunden? Wo? wo ist er? O mein Traum,
So logst du nicht?"—Die Amme, selbst vor Freuden
Ganz außer sich, hat kaum noch so viel Sinn,
Die wonnetaumelnde halb nackte Träumerin
In großer Eil' ein wenig anzukleiden.
14
Herein gerufen wird sodann
Die Alte, selbst ihr Mährchen zu erzählen.
Die gute Mutter fängt beym Ey die Sache an,
Und läßt es nicht am kleinsten Umstand fehlen;
Kein Zug, kein Wort das ihrem Gast entrann,
Wird im Gemählde weggelassen.
Er ist's, er ist's! wir haben unsern Mann,
Ruft Fatme aus; es kann nicht besser passen!
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Die Alte wird von neuem ausgefragt,
Muß drey—und viermahl wiederhohlen
Was er gethan, gesagt und nicht gesagt;
Muß immer wieder ihn vom Haupt bis zu den Sohlen
Abschildern, Zug für Zug—wie gelb und lang sein Haar,
Wie groß und blau sein schönes Augenpaar;
Und immer ist noch etwas nachzuhohlen
Das in der Eil' ihr ausgefallen war.
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Indeß sich so um zwanzig Jahre jünger
Die Alte schwatzt, entspannt der hohe Lockenbau
Der schönen Braut sich unter Fatmens Finger.
Mit Perlen, glänzender als Thau,
Wird schneckengleich ihr schwarzes Haar durchflochten,
Ohr, Hals und Gürtel schmückt so schimmerndes Gestein,
Daß ihren Glanz im Sonnenschein
Die Augen kaum ertragen mochten.
17
Vollendet stellt nunmehr, von ihrer Nymfenschaar
Zum Fest geschmückt und bräutlich angekleidet,
Gleich einer Sonne sich die Königstochter dar,
Und lieblich wie ein Reh, das unter Rosen weidet.
Kein Auge sah sie ungeblendet an,
Wiewohl sie jetzt nur Mädchenaugen sahn:
Nur sie allein schien nichts davon zu wissen,
Wie neben ihr die Sterne schwinden müssen.
18
Das Feuer, das aus ihren Augen strahlt,
Die Ungeduld, das lauschende Verlangen
Das ihre Lippen schwellt und ihre zarten Wangen
Mit ungewohntem Purpur mahlt,
Setzt ihre Jungfrau'n in Erstaunen.
Ist dieß die widerspenst'ge Braut,
(Beginnen sie einander zuzuraunen)
Der gestern noch so sehr vor diesem Tag gegraut?
19
Indessen sammeln sich die Emirn und Wessire,
Geschmückt zum Fest, im stolzen Hochzeitsahl.
Gerüstet steht das königliche Mahl,
Und, bey Trompetenklang, tritt aus der goldnen Thüre
Des heiligen Palasts, von Sklaven aller Art
Umflossen, der Kalif mit seinem grauen Bart.
Der Drusenfürst, noch etwas blaß von Wangen,
Kommt stattlich hinter ihm als Bräutigam gegangen.
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Und gegenüber thut die Thür von Elfenbein
Sich aus dem Harem auf, und, schöner als die Frauen
In Mahoms Paradies, tritt auch die Braut herein.
Ein Schleier zwar, gleich einem silbergrauen
Gewölke, wehrt dem Engelsangesicht
Den vollen Glanz allblendend zu enthüllen;
Und dennoch scheint ein überirdisch Licht
Bey ihrem Eintritt stracks den ganzen Sahl zu füllen.
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Dem Drusen schwillt und sinket wechselsweis'
Sein Herz, indem sein Aug' an ihren Reitzen hanget:
Er sucht im ihrigen was er zu sehn verlanget;
Allein, ein Blick, so kalt wie Alpeneis,
Ist alles was er sieht. Doch, dem Bethörten schmeichelt
Die Eitelkeit, die Selbstbetrügerin,
Daß Rezia den spröden Blick nur heuchelt:
O (denkt er) all der Schnee schmilzt über Nacht dahin!
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Ob er zu viel gehofft soll kein Geheimniß bleiben.
Doch, ohne jetzt unnöthig zu beschreiben,
Wie drauf, nachdem der Imam das Gebet
Gesprochen, man beym Schall der Pauken und der Zinken
Zur Tafel sich gesetzt, erst Seine Majestät,
Dann rechter Hand die Braut, der Bräutigam zur linken,
Und hundert Dinge, die von selber sich verstehn,
Ist's Zeit, auch wieder uns nach Hüon umzusehn.