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Der hatte, wie ihr euch erinnert, seine Nacht,
Von Ungeduld erhitzt, von Ahnungen umgaukelt,
Auf seiner Streue nicht viel sanfter zugebracht,
Als einer, den der Sturm in einem Mastkorb schaukelt.
Kaum aber hat dem Tag in seine goldne Bahn
Aurorens Rosenhand die Pforten aufgethan,
So senkt sich nebelgleich ein Dunst von Mohn—und Flieder-
Und Lilienduft auf seine Augen nieder.
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Er schlummert ein, und schläft in Einem Zug
Noch immer fort, da schon des Sonnenwagens Flug
Den Himmel halb getheilt. Sein Alter ging indessen
Um von der Burg die Lage auszuspähn,
Und zum Entführungswerk das nöth'ge vorzusehn;
Derweil, am kleinen Herd, zu ihrem Mittagsessen
Die gute Wirthin Anstalt macht,
Halb mürrisch, daß ihr Gast so lange nicht erwacht.
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Sie schleicht zuletzt, um wieder durch die Spalten
Zu gucken, an die Thür, und trifft (zu gutem Glück
Für ihren Vorwitz) just den ersten Augenblick,
Da Hüons Augen sich dem goldnen Tag entfalten.
Frisch, wie der junge May sich an den Reihen stellt
Wenn mit den Grazien die Nymfen Tänze halten,
Hebt sich mit halbem Leib empor der schöne Held,
Und rathet, was zuerst ihm in die Augen fällt?
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Ein Kaftan, wie ihn nur die höchsten Emirn tragen,
Wenn sich der Hof zu einem Feste schmückt,
Auf goldbeblümtem Grund mit Perlen reich gestickt,
Liegt schimmernd vor ihm da, um einen Stuhl geschlagen;
Ein Turban drauf, als wie aus Schnee gewebt,
Und, um ihn her, den Emir zu vollenden,
Ein diamantner Gurt, an dem ein Säbel schwebt,
So reich, daß Scheid' und Griff ihm fast die Augen blenden.
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Zum ganzen Putz, von Fuß zu Haupt,
Den Stiefelchen aus übergüld'tem Leder
Bis zu dem Demantknopf der hohen Straußenfeder
Am Turban, mangelt nichts. Der gute Ritter glaubt,
Ihm träume noch. Woher kann solcher Staat ihm kommen?
Die Alte steht erstaunt. Das geht durch Zauberey,
Ruft sie; ich hätte doch sonst was davon vernommen!
Der Zwerg, spricht Scherasmin, ist ganz gewiß dabey!
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Der Ritter glaubt es auch, und denkt: Durch all' die Helden
Im Vorhof macht mir dieß zum Hochzeitsahle Bahn.
Und flugs ist Kaftan, Gurt, und alles umgethan;
Die Wirthin spudet sich, ihn recht heraus zu kleiden.
"Allein was fangen wir mit diesem Turban an?
Das schöne gelbe Haar sein'twegen abzuschneiden?
Nicht um die Welt!—Doch still! es geht ja wohl hinein;
Er scheint ja recht mit Fleiß dazu gewölbt zu seyn!"
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Herr Hüon stand nunmehr, bis auf die lilienglatte
Bartlose Wange, wie ein wahrer Sultan da,
Indem das Mütterchen ihn um und um besah
Und immer noch an ihm zu putzen hatte.
Drauf, als der treue Scherasmin
Ihm was ins Ohr geraunt, beginnt er fortzugehen,
Reicht einen Beutel Gold der Wirthin freundlich hin,
Und nun, lebt wohl, auf Wiedersehen!
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Nichts halb zu thun ist edler Geister Art.
Ein reich gezäumtes Roß steht vor der Thür der Alten,
Und neben ihm zwey Knaben, schön und zart,
In Silberstück, die ihm die goldnen Zügel halten.
Herr Hüon schwingt sich auf; die Knaben frisch voran,
Und führen ihn auf einem Seitenwege,
Am Strome hin, durch blühende Gehäge,
Bis sie der hohen Burg sich gegenüber sahn.
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Schon ist er durch den ersten Hof gezogen,
Im zweyten steigt er ab, und geht zum dritten ein.
Er scheint ein Hochzeitgast vom ersten Rang zu seyn,
Und überall, von diesem Schein betrogen,
Macht ihm die Wache Platz. Er schreitet frey und stolz
Daher, und nähert sich dem Thor von Ebenholz.
Zwölf Mohren, Riesen gleich, stehn mit gezücktem Eisen
Die Unberechtigten vom Eingang abzuweisen.
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Allein des Ritters Staat und königlicher Blick
Drückt, wie er sich der hohen Pforte zeiget,
Die Säbelspitzen schnell zurück,
Die fernher sich entgegen ihm geneiget.
Die Flügel rauschen auf. Hoch schlägt sein Heldenherz,
Indem sie hinter ihm sich wieder wehend schließen.
Drauf führt ein Säulengang, an welchen Gärten stießen,
Ihn noch zu einer Thür von übergüld'tem Erz.