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Ein großer Vorsahl war's, mit Sklaven aller Farben
Kombabischen Geschlechts erfüllt,
Die ewig hier am Quell der Freude darben,
Und, da ein Mann, von Emirsglanz umhüllt,
In ihre hohlen Augen schwillt,
Mit Blicken, die in Knechtsgefühl erstarben,
Die Arme auf die Brust ins Kreuz gefaltet, stehn,
Und kaum so muthig sind ihm hintennach zu sehn.
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Schon tönen Cymbeln, Trommeln, Pfeifen,
Gesang und Saitenspiel vom Hochzeitsahle her;
Schon nickt des Sultans Haupt von Weindunst doppelt schwer,
Und freyer schon beginnt die Freude auszuschweifen;
Der Braut allein theilt sich die Lust nicht mit
Die in des Bräut'gams Augen glühet:
Als, eben da sie starr auf ihren Teller siehet,
Herr Hüon in den Sahl mit edler Freyheit tritt.
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Er naht der Tafel sich, und alle Augenbrauen
Ziehn sich erstaunt empor, den Fremden anzuschauen.
Die schöne Rezia, die ihre Träume denkt,
Hält auf den Teller noch den ernsten Blick gesenkt;
Auch der Kalif, den Becher just zu leeren
Beschäftigt, läßt sich nichts in seinem Opfer stören:
Nur Babekan, den seines nahen Falls
Kein guter Geist verwarnt, dreht seinen langen Hals.
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Sogleich erkennt der Held den losen Mann von gestern,
Der sich vermaß der Christen Gott zu lästern:
Er ist's, der links am goldnen Stuhle sitzt
Und seinen Nacken selbst der Straf' entgegen bieget.
Rasch, wie des Himmels Flamme, blitzt
Der reiche Säbel auf, der Kopf des Helden flieget,
Und hoch aufbrausend überspritzt
Sein Blut den Tisch, und den, der ihm zur Seite lieget.
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Wie der Gorgone furchtbars Haupt
In Perseus Faust den wild empörten Schaaren
Das Leben stracks durch seinen Anblick raubt;
Noch dampft die Königsburg, noch schwillt der Aufruhr, schnaubt
Die Mordlust ungezähmt im Busen der Barbaren;
Doch Perseus schüttelt kaum den Kopf mit Schlangenhaaren,
So starrt der Dolch in jeder blut'gen Hand,
Und jeder Mörder steht zum Felsen hingebannt:
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So stockt auch hier, beym Anblick solcher kecken
Verrätherischen That, des frohen Blutes Lauf
In jedem Gast. Sie fahren allzuhauf,
Als sähn sie ein Gespenst, von ihren Sitzen auf,
Und greifen nach dem Schwert. Allein, gelähmt vom Schrecken,
Erschlafft im Ziehn der Arm, und jedes Schwert blieb stecken;
Ohnmächt'gen Grimm im starren Blick,
Sank sprachlos der Kalif in seinen Stuhl zurück.
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Der Aufruhr, der den ganzen Sahl empöret,
Schreckt Rezien aus ihrer Träumerey:
Sie schaut bestürzt sich um, was dessen Ursach' sey;
Und, wie sie sich nach Hüons Seite kehret,
Wie wird ihm, da er sie erblickt!
Sie ist's, sie ist's ruft er, und läßt entzückt
Den blut'gen Stahl und seinen Turban fallen,
Und wird von ihr erkannt, wie seine Locken wallen.
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Er ist's, beginnt auch sie zu rufen, doch die Scham
Erstickt den Ton in ihrem Rosenmunde.
Wie schlug das Herz ihr erst, da er geflogen kam,
Im Angesicht der ganzen Tafelrunde
Sie liebeskühn in seine Arme nahm,
Und, da sie, glühend bald, bald blaß wie eine Büste,
Sich zwischen Lieb' und jungferlichem Gram
In seinen Armen wand, sie auf die Lippen küßte!
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Schon hatt' er sie zum zweyten Mahl geküßt;
Wo aber nun den Trauring her bekommen?
Zum Glücke, daß der Ring an seinem Finger ist,
Den er im Eisenthurm dem Riesen abgenommen.
Zwar, wenig noch mit dessen Werth vertraut,
Schien ihm, dem Ansehn nach, der schlecht'ste kaum geringer;
Doch steckt er ihn aus Noth itzt an des Fräuleins Finger,
Und spricht: So eign' ich dich zu meiner lieben Braut!
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Er küßt mit diesem Wort die sanft bezwungne Schöne
Zum dritten Mahl auf ihren holden Mund.
Ha! schreyt der Sultan auf, und knirscht und stampft den Grund
Vor Ungeduld, ihr leidet daß der Hund
Von einem Franken so mich höhne?
Ergreift ihn! Zaudern ist Verrath!
Und, tropfenweis' erpreßt, versöhne
Sein schwarzes Blut die ungeheure That!