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Hier schwieg der schöne Zwerg. Und, bleicher als der Tod,
Steht Hüon da, das Urtheil zu empfangen,
Womit ihn Oberon, der Grausame! bedroht.
In Asche sinkt das Feuer seiner Wangen.
Zu edel oder stolz, vielleicht ein zweifelnd Herz
Mit Liebesworten zu bestechen,
Starrt er zur Erde hin mit tief verhaltnem Schmerz,
Und läßt nicht einen Blick zu seinem Vortheil sprechen.

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Doch Rezia, durchglüht von seinem ersten Kuß,
Braucht keines Zunders mehr die Flamme zu erhitzen.
Wie wenig däucht ihr noch was sie verlassen muß,
Um alles was sie liebt in Hüon zu besitzen!
Von Scham und Liebe roth bis an die Fingerspitzen,
Verbirgt sie ihr Gesicht und einen Thränenguß
In seinem Arm, indem, hoch schlagend von Entzücken,
Ihr Herz empor sich drängt, an seines sich zu drücken.

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Und Oberon bewegt den Lilienstab
Sanft gegen sie, als wollt' er seinen Segen
Auf ihrer Herzen Bündniß legen,
Und eine Thräne fällt aus seinem Aug' herab
Auf beider Stirn. So eil' auf Liebesschwingen,
Spricht er, du holdes Paar! Mein Wagen steht bereit,
Bevor das nächste Licht der Schatten Heer zerstreut,
Euch sicher an den Strand von Askalon zu bringen.

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Er sprach's, und eh' des letzten Wortes Laut
Verklungen war, entschwand er ihren Augen.
Wie einem Traum entwacht, steht Hüons schöne Braut,
Den süßen Duft begierig aufzusaugen,
Der noch die Luft erfüllt. Drauf sinkt ein scheuer Blick
Auf ihren Vater hin, der wie in Todesschlummer
Zu starren scheint. Sie seufzt, und wehmuthsvoller Kummer
Mischt Bitterkeit in ihres Herzens Glück.

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Sie hüllt sich ein. Herr Hüon, dem die Liebe
Die Sinne schärft, sieht nicht so bald
Ihr Herz beklemmt, ihr schönes Auge trübe,
So drückt er sie mit zärtlicher Gewalt,
Den rechten Arm um ihren Leib gewunden,
Zum Sahl hinaus.—Komm, spricht er, eh' die Nacht
Uns überrascht, und jeder Arm erwacht,
Den, uns zu Lieb', der Geist mit Zauberschlaf gebunden.

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Komm, laß uns fliehn, eh' uns den Weg zur Flucht
Ein neuer Feind vielleicht zu sperren sucht,
Und sey gewiß, sind wir nur erst geborgen,
Wird unser Schützer auch für diese Schläfer sorgen.
Dieß sprechend trägt er sie mit jugendlicher Kraft
Die Marmortrepp' hinunter bis zum Wagen,
Den Oberon zu ihrer Flucht verschafft,
Und eine süßre Last hat nie ein Mann getragen.

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Die ganze Burg ist furchtbar still und leer
Wie eine Gruft, und Leichen ähnlich liegen
In tiefem Schlaf die Hüter hin und her;
Nichts hemmt der Liebe Flucht; der Wagen wird bestiegen:
Doch traut das Fräulein sich dem Ritter nicht allein;
Mit Scherasmin steigt auch die Amme hastig ein.
Sie, die zum ersten Mahl so viele Wunder siehet,
Die arme Frau weiß nicht wie ihr geschiehet.

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Wie wird ihr da sie rückwärts schaut
Und sieht, an Pferde Statt, vier Schwanen vor dem Wagen,
Regiert von einem Kind!—Wie schaudert ihr die Haut,
Da sie empor gelupft und durch die Luft getragen
Sich fühlt, und kaum zu athmen sich getraut,
Und nicht begreifen kann, wie, ohne umzuschlagen,
So schwer bepackt, der Wagen sich erhebt,
Und, steter als ein Kahn, auf leichten Wolken schwebt!

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Als endlich gar die Nacht sie überfiel,
Was Wunder, daß die Furcht zuletzt die Scham besiegte,
Und Fatme so gedrang an Scherasmin sich schmiegte,
Als wie zum Schlaf an ihren lieben Pfühl!
Vermuthlich daß der Mann dazu sich willig fügte;
In solchen Fällen mischt das Herz sich gern ins Spiel:
Jedoch gereicht zum Ruhm des wackern Alten,
Daß er wie reines Gold dieß Feuer ausgehalten.

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Ganz anders war das junge Paar gestimmt,
Das Amor itzt mit seiner Mutter Schwanen
Davon zu führen schien. Ob auf gewohnten Bahnen
Den Lauf ihr Zauberfuhrwerk nimmt,
Ob durch die Luft, ob's rollet oder schwimmt,
Ob langsam oder schnell, mit Pferden oder Schwanen,
Sanft oder hart, mit oder ohne Fahr,
Sie werden nichts von allem dem gewahr.