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Ich bin, wie er, von fürstlichem Geschlecht,
Ein Pär des Reichs, und fordre hier mein Recht;
Der Kaiser kann mir's nicht versagen!
Da liegt mein Handschuh, laßt ihn's wagen
Ihn aufzunehmen, und Gott in seinem Gericht
Entscheide, welchen von uns die Stimme dieses Blutes
Zur Hölle donnern soll! Die Quelle meines Muthes
Ist meine Unschuld, Herr! Mich schreckt sein Donner nicht.
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Die Fürsten des Kaiserreichs, so viel von ihnen zugegen,
Ein jeder sieht sich selbst in meiner Verdammung gekränkt.
Sie murmeln, dem Meere gleich, wenn sich von fern zu regen
Der Sturm beginnt: sie bitten, dringen, legen
Das Recht ihm vor. Umsonst! den starren Blick gesenkt
Auf Scharlots blutiges Haupt, kann nichts den Vater bewegen:
Wiewohl auch Hohenblat, der's für ein leichtes hält
Mir obzusiegen, selbst sich unter die Bittenden stellt.
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Herr, spricht er, laßt mich gehn, den Frevler abzustrafen,
Ich wage nichts wo Pflicht und Recht mich schützt.
Ha! rief ich laut, von Scham und Grimm erhitzt,
Du spottest noch? Erzittre! immer schlafen
Des Rächers Blitze nicht.—Mein Schwert, ruft Hohenblat,
Soll, Mörder, sie auf deine Scheitel häufen!
Doch Karl, den meine Gluth nur mehr erbittert hat,
Befiehlt der Wache, mich zu greifen.
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Dieß rasche Wort empört den ganzen Sahl
Von neuem; alle Schwerter blitzen,
Das Ritterrecht, das Karl in mir verletzt, zu schützen.
Ergreift ihn, ruft der Kaiser abermahl;
Allein er sieht, mit vorgehaltnen Klingen,
In dichtem Kreis die Ritter mich umringen.
Vergebens droht, schier im Gedräng erstickt,
Der geistliche Herr mit Bann und Interdikt.
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Des Reiches Schicksal schien an einem Haar zu schweben.
Die grauen Räthe flehn dem Kaiser auf den Knien,
Dem Recht der Ritter nachzugeben:
Je mehr sie flehn, je minder rührt es ihn;
Bis endlich Herzog Nayms (der oft in seinem Leben,
Wenn Karl den Kopf verlor, den seinen ihm geliehn)
Den Mund zum Ohr ihm hält, dann gegen uns sich kehret,
Und zum begehrten Kampf des Kaisers Urlaub schwöret.
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Herr Hüon fuhr dann zu erzählen fort:
Wie stracks auf dieses einz'ge Wort
Der Aufruhr sich gelegt, die Ritter alle zurücke
Gewichen, und Karl, wiewohl im Herzen ergrimmt,
Mit stiller Wuth im halb entwölkten Blicke,
Den achten Tag zum Urtheilskampf bestimmt;
Wie beide Theile sich mit großer Pracht gerüstet,
Und, des Triumfs gewiß, sich Amory gebrüstet.
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Der stolze Mann, wiewohl in seiner Brust
Ein Kläger pocht der seinen Muth erschüttert,
War eines Arms von Eisen sich bewußt,
Der manchen Wald von Lanzen schon zersplittert.
Er hatte nie vor einem Feind gezittert,
Und Kampf auf Tod und Leben war ihm Lust.
Doch all sein Trotz und seine Riesenstärke
Betrogen ihn bey diesem blut'gen Werke.—
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Gekommen war nunmehr der richterliche Tag,
Versammelt alles Volk. Mit meinem silberblanken
Turnierschild vor der Brust, und, wie ich sagen mag,
Von allen mit Liebe begrüßt, erschien ich in den Schranken.
Schon stand der Kläger da. In einem Erker lag
Der alte Karl, umringt von seinen Fürsten,
Und schien, in offenem Vertrag
Mit Amory, nach meinem Blut zu dürsten.
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Die Sonne wird getheilt. Die Richter setzen sich.
Mein Gegner scheint vor Ungeduld zu brennen
Bis die Trompete ruft. Nun ruft sie, und wir rennen,
Und treffen so gewaltiglich
Zusammen, daß aufs Knie die Rosse stürzen, und ich
Und Hohenblat uns kaum im Sattel halten können.
Eilfertig machen wir uns aus den Bügeln los,
Und nun, in einem Blitz, sind beide Schwerter bloß.
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Daß ich von unserm Kampf dir ein Gemählde mache
Verlange nicht. An Grimm und Stärke war,
Wie an Erfahrenheit, mein Gegner offenbar
Mir überlegen; doch die Unschuld meiner Sache
Beschützte mich, und machte meine Kraft
Dem Willen gleich. Der Sieg blieb lange zweifelhaft;
Schon floß aus manchem Quell des Klägers Blut herunter,
Und Hüon war noch unverletzt und munter.