53
Gesetzt, er macht auch Anfangs Schwierigkeit,
Er sieht euch schärfer an, und schüttelt
Sein weises Haupt; mir ist dafür nicht leid:
Ein schöner Diamant hat manches schon vermittelt.
Laßt diese Sorge mir, Herr Ritter! Zwischen heut
Und morgen sehn wir euch, trotz aller Schwierigkeit,
Zu einem Gärtnerschurz betitelt;
Das weit're überlaßt dem Himmel und der Zeit.

54
Der Vorschlag däucht dem Ritter wohl ersonnen,
Und wird nun ungesäumt und klüglich ausgeführt.
Der alte Ibrahim ist bald so gut gewonnen,
Daß er den Paladin zum Neffen adoptiert,
Zu seinem Schwestersohn, der von Damask gekommen,
Und in der Blumenzucht besonders viel gethan;
Kurz, Hüon wird zum Gärtner angenommen,
Und tritt sein neues Amt mit vielem Anstand an.

Eilfter Gesang.

1
Die Hoffnung, die ihr schimmerndes Gefieder
Um Hüon wieder schwingt, Sie, die er einzig liebt,
Bald wieder sein zu sehn, die goldne Hoffnung giebt
Ihm bald den ganzen Glanz der schönsten Jugend wieder.
Schon der Gedanke bloß, daß sie so nah ihm ist,
Daß dieses Lüftchen, das ihn kühlet,
Vielleicht Amandens Wange kaum geküßt,
Vielleicht um ihre Lippen kaum gespielet;

2
Daß diese Blumen, die er bricht
Und mahlerisch in Kränz' und Sträuße flicht,
Um in den Harem sie, wie üblich ist, zu schicken,
Vielleicht Amandens Locken schmücken,
Ihr schönes Leben vielleicht an ihrer lieblichen Brust
Verduften,—der Gedank' erfüllt ihn mit Entzücken;
Das schöne Roth der Sehnsucht und der Lust
Färbt wieder seine Wang' und strahlt aus seinen Blicken.

3
Die heiße Tageszeit vertritt das Amt der Nacht
In diesem Land, und wird verschlummert und verträumet.
Allein, so bald der Abendwind erwacht,
Fragt Hüon, den die Liebe munter macht,
Schon alle Schatten an, wo seine Holde säumet?
Er weiß, die Nacht wird hier mit Wachen zugebracht;
Doch darf sich in den Gärten und Terrassen
Nach Sonnenuntergang nichts männlichs sehen lassen.

4
Die Damen pflegen dann, beym sanften Mondesglanz
Bald paarweis', bald in kleinen Rotten,
Die blühenden Alleen zu durchtrotten;
Und ziert die Fürstin selbst den schönen Nymfenkranz,
Dann kürzt Gesang und Saitenspiel und Tanz
Die träge Nacht; drauf folgt in stillen Grotten
Ein Bad, zu dem Almansor selbst (so scharf
Gilt hier des Wohlstands Pflicht) sich niemahls nähern darf.

5
Amanden (die, wie unser Ritter glaubte,
Im Harem war) zu sehn, blieb keine Möglichkeit,
Wofern er nicht sich um die Dämm'rungszeit
Im Garten länger säumt als das Gesetz erlaubte.
Er hatte dreymahl schon die unruhvollste Nacht
In einem Busch an dem vorbey zu gehen
Wer aus dem Harem kam genöthigt war, durchwacht,
Gelauscht, geguckt, und ach! Amanden nicht gesehen!

6
Fußfällig angefleht von Fatme, Ibrahim
Und Scherasmin, ihr und sein eignes Leben
So offenbar nicht in Gefahr zu geben,
Wollt' er, wiewohl der Sonnenwagen ihm
Zu schnell hinab gerollt, am vierten Abend (eben
Zur höchsten Zeit) sich noch hinweg begeben,
Als plötzlich, wie er sich um eine Hecke dreht,
Almansaris ganz nahe vor ihm steht.

7
Sie kam, gelehnt an ihrer Nymfen eine,
Um, lechzend von des Tages strengem Brand,
Im frischen Duft der Pomeranzenhaine
Sich zu ergehn. Ein leichtes Nachtgewand,
So zart als hätten Spinnen es gewebet,
Umschattet ihren Leib, und nur ein goldnes Band
Schließt's um den Busen zu, der durch die dünne Wand
Mit schöner Ungeduld sich durchzubrechen strebet.