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Nie wird die Bildnerin Natur
Ein göttlicher Modell zu einer Venus bauen
Als diesen Leib. Sein reitzender Kontur
Floß wellenhaft, dem feinsten Auge nur
Bemerklich, zwischen dem Genauen
Und Überflüssigen, so weich, so lieblich hin,
Schwer war's dem kältsten Josefssinn,
Sie ohne Lüsternheit und Sehnsucht anzuschauen!
9
Es war in jedem Theil, was je die Fantasie
Der Alkamenen und Lysippen
Sich als das Schönste dacht' und ihren Bildern lieh;
Es war Helenens Brust, und Atalantens Knie,
Und Leda's Arm, und Erigonens Lippen.
Doch bis zu jenem Reitz erhob die Kunst sich nie,
Der stets, so bald dazu die Lust in ihr erwachte,
Sie zur Besiegerin von allen Herzen machte.
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Der Geist der Wollust schien alsdann
Mit ihrem Athem sich den Lüften mitzutheilen,
Die um sie säuselten. Von Amors schärfsten Pfeilen
Sind ihre Augen voll, und wehe dann dem Mann,
Der mit ihr kämpfen will! Denn, könnt' er auch entgehen
Dem feurig schmachtenden Blick, der ihn so lieblich kirrt,
Wie wird er diesem Mund voll Lockungen, wie wird
Er seinem Lächeln widerstehen?
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Wie dem Sirenenton der zauberischen Stimme,
Der des Gefühls geheimste Saiten regt?
Der in der Seele Schooß die süße Täuschung trägt,
Als ob sie schon in Wollustseufzern schwimme?
Und wenn nun, eh' vielleicht die Weisheit sich's versah,
Verräth'risch jeder Sinn, zu ihrem Sieg vereinigt,
Den letzten Augenblick der Trunkenheit beschleunigt:
O sagt, wer wäre dann nicht seinem Falle nah?
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Doch, ruhig! Fern ist noch und ungewiß vielleicht
Der Schiffbruch, der uns itzt fast unvermeidlich däucht.
Zu fliehen—sonst auf alle Fälle
Das klügste—ging in diesem Augenblick
Nicht an—sie war zu nah—wiewohl an Hüons Stelle
Ein wahrer Gärtner doch geflohen wär'. Zum Glück,
Hilft, falls sie fragt, ein Korb mit Blumen und mit Früchten,
Den er im Arme trägt, ihm eine Antwort dichten.
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Natürlich stutzt die schöne Königin,
In ihrem Wege hier auf einen Mann zu treffen.
Was machst du hier? fragt sie den Paladin
Mit einem Blick, der jedem andern Neffen
Des alten Gärtners tödtlich war.
Doch Hüon, unterm Schirm gesenkter Augenlieder,
Läßt auf die Kniee sich mit edler Ehrfurcht nieder,
Und stellt den Blumenkorb ihr als ein Opfer dar.
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Er hatte, (spricht er) bloß es ihr zu überreichen,
Die Zeit versäumt, die allen seines gleichen
Die Gärten schließt. Hat er zu viel gethan,
So mag sein Kopf den raschen Eifer büßen.
Allein die Göttin scheint in einen mildern Plan
Vertieft, indeß zu ihren Füßen
Der schöne Frevler liegt. Sie sieht ihn gütig an,
Und scheint mit Mühe sich zum Fortgehn zu entschließen.
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Den schönsten Jüngling, den sie jemahls sah—und schön
Wie Helden sind, mit Kraft und Würde—fremde
Der Farbe nach—in einem Gärtnerhemde—
Dieß schien ihr nicht natürlich zuzugehn.
Gern hätte sie mit ihm sich näher eingelassen,
Hielt' nicht der strenge Zwang des Wohlstands sie zurück.
Sie winkt ihm endlich weg; doch scheint ein Seitenblick,
Der ihn begleitet, viel, sehr viel in sich zu fassen.
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Sie schreitet langsam fort, stillschweigend, dreht sogar
Den schönen Hals, ihm hinten nachzusehen,
Und zürnt, daß er dem Wink so schnell gehorsam war.
War er, den Blick, der ihn erklärte, zu verstehen,
Zu blöde? Fehlt's vielleicht der reitzenden Gestalt
An Seele? Trügt das ungeduld'ge Feuer
In seinem Auge? Macht Gefahr ihn kalt?
Wie, oder sucht' er hier ein andres Abenteuer?
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Ein andres?—Dieser Zweifel hüllt
Ihr plötzlich auf, was sie sich selber zu gestehen
Erröthet. Unruhvoll, verfolgt von Hüons Bild,
Irrt sie die ganze Nacht durch Lauben und Alleen,
Horcht. Jedem Lüftchen das sich regt
Entgegen, jedem Blatt, das an ein andres schlägt:
Still! spricht sie zur Vertrauten, laß uns lauschen!
Mir däucht, ich hörte was durch jene Hecke rauschen.