Der deutsche Volksverein hat sich eine andere Aufgabe, als die deutsche Gesellschaft gestellt; er gibt nämlich keine Unterstützung an Geld, sondern beschäftigt sich, wie seine Name schon beurkundet, nur mit der Wahrung der Rechte und Interessen der Einwanderer. Sein Hauptaugenmerk war seit seiner Gründung darauf gerichtet, die Makler in der Ausübung ihres schändlichen Gewerbes zu hindern, erwiesene an den Einwanderern begangene Betrügereien gerichtlich zu verfolgen, Arbeit an Arbeitslose zu geben und Rath und Auskunft über amerikanische Zustände zu ertheilen. Ein Ausschuß, welcher jede Woche wechselt, ist täglich Nachmittags zu bestimmten Stunden in einem Lokale in der Nähe des Hafens in Sitzung, welches regelmäßig den Einwanderern in der New-Yorker Staatszeitung und der deutschen Schnellpost bekannt gemacht wird.

Alle Beschwerden und Klagen über Makler, Wirthe und andere Betrüger werden dort angenommen und entweder auf gütlichem, polizeilichem oder gerichtlichem Wege bereinigt. Diese Leute sind daher die erbittertsten Feinde dieses Vereins geworden, und verfolgen namentlich die thätigen Mitglieder desselben auf alle ihnen nur immer mögliche Weise, sowie sie natürlich auch durch Verbreitung von Lügen, Entstellungen und Verläumdungen die moralische Kraft des Vereins zu brechen suchen.

Im Anfange seines Entstehens suchte der deutsche Volksverein die Aufmerksamkeit der Einwanderer hauptsächlich durch große Plakate auf sich zu ziehen, welche an die Ecken der verschiedenen Hafenstraßen angeschlagen wurden. Er mußte sich aber bald von der Untauglichkeit einer Maßregel überzeugen, welcher die Makler nur mit dem einfachen Abreißen der Zettel zu begegnen brauchten, um sie gänzlich wirkungslos zu machen.

Eine Thatsache will der Verfasser hier nicht unerwähnt lassen, da sie am besten geeignet ist, einen klaren Begriff von dem Treiben der Makler den Vereinen gegenüber, welche sie beaufsichtigen, zu geben.

Das Directorium des Volksvereins hatte eine Vereinsversammlung ausgeschrieben, in welcher verschiedene Beschlüsse gefaßt werden sollten, die man später zum Schutze der Einwanderer in Ausführung bringen wollte. Zu dieser fanden sich eine bedeutende Anzahl Makler mit Knitteln bewaffnet in der Absicht ein, die Versammlung zu stören und Diejenigen zu bedrohen und zu mißhandeln, welche als Redner auftreten würden. Es gelang ihnen auch, die Abhaltung der Berathung zu verhindern, indem sie einen ungeheuren Skandal anfiengen, so oft Jemand den Mund zu einem Vortrage öffnete. Zuletzt konnten nur von dem Präsidenten requirirte Constabler einen Theil der Mitglieder vor wirklichen Angriffen schützen.

Die vielen lauten Klagen, die gegen jene Menschen erhoben wurden, haben endlich auch die amerikanischen Behörden veranlaßt, ernstlich gegen sie einzuschreiten, und die Zeit ist wohl nicht mehr ferne, in welcher man von ihrem Gewerbe als von einem, das der Vergangenheit angehörte, sprechen wird.

Neuntes Capitel.
New-York. Die Battery oder der Castlegarden. Der Broadway. Astorhaus. Das Amerikanische Museum. Der Park und City-Hall. Die Vorfeier des vierten Juli.

Mein Hauptwunsch war nun erreicht; ich hatte amerikanischen Boden unter meinen Füßen, und konnte die Begierde kaum unterdrücken, sogleich zur Besichtigung der Stadt aufzubrechen. Freund W....... machte mich jedoch darauf aufmerksam, daß wir einer Stärkung sehr bedürftig wären und unsre hungrigen Magen und ermüdeten Körper auch etwas Berücksichtigung verdienten.

Nach einigen Stunden machte ich den ersten Ausgang, der mich zunächst in ein großes Cigarrenlager führte, um die ächten Kinder der Havanna einzukaufen. Meine Freude über den herrlichen Genuß verringerte sich aber merklich, als ich nach dem Preise fragte, den ich ungeheuer hoch fand. Von hier aus führte uns unser Weg nach der Battery, welche mir W....... zuerst vor Augen führen wollte, da es ohnstreitig der schönste Spaziergang New-Yorks mit einer weiten Aussicht auf die beiden Arme des Hudson, den North- und East-River, die Bay von New-York, New-Jersey und Staatenisland auf der einen, und Broklyn und Williamsburg auf der anderen Seite ist.

Die Battery, auch Castlegarden genannt, ist einer der besuchtesten Vergnügungsorte der New-Yorker, da man hier in der großen Glühhitze des Sommers nicht allein unter dem Schatten der Bäume sich ergehen, sondern auch die kühlende Seeluft einathmen kann. Das große und malerische Bild, das sich vor mir ausbreitete und mir einen bis zu dieser Stunde nicht geahnten Genuß bereitete, erhielt durch große Kauffahrteischiffe, welche in die Bay hereinsegelten, beständig hin- und herlaufende Dampfschiffe und die große Menge von dahinschießenden kleineren Fahrzeugen das regste Leben. Während der Hudson und die Bay den Anblick einer ungeheuren Arbeitsamkeit und Emsigkeit darboten und meinen Blick fesselten, füllte sich der weite und geräumige Garten mit modern gekleideten Herren und Damen, welche mir die Ueberzeugung verschafften, daß nicht allein die Modejournale von London und Paris, sondern auch die Modestoffe von dort ihren Weg nach Amerika finden.