zu uns herniederklangen.

Einen angenehmeren Eindruck, als dieses possirliche Comödienhaus, machte der schöne Park, in dessen Mitte sich die stolze City-Hall[ [6] mit einer großen Freitreppe erhebt. Diese, wie die ganze vordere Fronte des weitläufigen Gebäudes ist aus weißen Marmor aufgeführt. Die Amerikaner statten überhaupt alle ihre öffentlichen Bauten auf's Glänzendste und Imposanteste aus, um das Gesetz, das in ihnen seine Wohnung hat, selbst geachtet zu machen. Die New-Yorker ehren durch dieses Gebäude die Väter der Stadt, die Republik und sich selbst.

[6]: Stadthaus, Rathhaus.

Nicht weit von dem Hauptportale des Stadthauses wirft eine zweite noch bedeutendere Fontaine, als die beim Eingange des Broadway, ihren starken Strahl hoch in die Lüfte. Ringsherum laden Bänke zur Ruhe ein, und das Grün der Bäume und des Rasens bietet eine angenehme Abwechslung gegenüber dem Gedränge und dem Staube der Straßen.

Allmählig kam der Abend und mit ihm neues Leben. Es war der Vorabend des vierten Juli, den Jung und Alt durch Abbrennen von Raketen, Kanonenschlägen und Schwärmern und durch Schießen aus jeder Gattung von Feuerröhren festlich begehen. Obschon das Schießen in der Stadt das ganze Jahr hindurch scharf verboten ist, so drücken Polizei und Gesetz an diesem Tage doch die strengen Augen zu und unterstützen auf diese Weise einen Lärmen und einen Spektakel, welcher die ganze Nacht fortdauert und Vielen den Schlummer raubt; trotz meiner Müdigkeit weckte mich das unaufhörliche Schießen unter meinen Fenstern zu wiederholten Malen aus dem tiefsten Schlafe auf. Die Presse hat schon oft gegen diesen Unfug angekämpft, der jedes Jahr die traurigsten Unglücksfälle verursacht; sie erhält aber keine energische Unterstützung von Seite der Bürger, da man in vielen Kreisen der Ansicht ist, daß durch ein solches Gebot der vierte Juli entweiht und entheiligt würde.

Zehntes Capitel.
Die Feier des vierten Juli. Frechheit eines englischen Matrosen.

Der Morgen des großen Festtages war angebrochen und 101 Kanonenschüsse verkündeten von der Battery und Governers-Island der Stadt New-York und ihrer Umgegend den 71sten Geburtstag ihrer Freiheit und Unabhängigkeit. Die Amerikaner sind keine Verehrer vieler und großer Feiertage; sie halten mit strengem Ernste an ihrem Sonntag, während sie (natürlich mit Ausnahme der Katholiken) die großen Kirchenfeste der Europäer, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, ruhig und ungefeiert vorübergehen lassen. Man kann daher nur zwei Hauptfesttage im ganzen Jahre annehmen, welche sie besonders hoch achten, den Neujahrstag und den vierten Juli. Der erste Tag wird mehr im Kreise von Familien und Freunden verlebt, während der letztere ein Freudentag des ganzen Volkes, ein Nationalfest von der tiefsten Bedeutung ist.

Die Amerikaner haben das unbezweifelte Recht, auf diesen Tag stolz zu seyn. Die Tapferkeit und die Weisheit ihrer Väter gründete an demselben den glücklichsten Staat der Erde und sicherte seinen Bestand durch die Ertheilung weiser und freisinniger Institutionen. Hebt sich ihr Herz bei der Erinnerung an die Großthaten dieser Männer, so schlägt es doppelt freudig bei dem Bewußtsein, daß sie ihr Vermächtniß getreulich bewahrt und es im Laufe der Zeit noch mehr veredelt und verbessert haben.

Aber nicht allein der Eingeborne begeht den vierten Juli mit tiefer inniger Freude, die Einwanderer aus allen Ländern Europas erkennen vielleicht mehr, als der freigeborne Amerikaner, welch' unschätzbares Gut sie an der Freiheit dieses Landes sich erworben haben; denn Derjenige, welcher die Geißel des Despotismus auf seinem Rücken gefühlt und unter den Verfolgungen der europäischen Politik gelitten hat, fühlt sich in solchen Stunden von einem neuen Leben durchdrungen und bei der Erinnerung an einen Washington, Franklin, Jefferson, Jackson mit den heiligsten Banden der Liebe an ein Land gebunden, das ihn wie seinen eigenen Sohn an seinen freien Heerd aufnimmt. Der vierte Juli macht die Einwanderer zu Amerikanern; ihre Kraft und ihr Blut gehört von nun an den Vereinigten Staaten, wovon die Leichenhügel von Monterey, Buena Vista, Cerro Cordo und Mexico ein großes und erhebendes Zeugniß geben.

Um 8 Uhr Morgens machte ich mich mit Freund W....... auf den Weg, um die Herrlichkeiten des Tages mit anzusehen. Wir gingen zunächst nach der Battery. Aber welcher Anblick ward uns hier zu Theil! die Tausend und aber Tausend Schiffe, welche hier vor Anker liegen und sich im Strome und der Bay bewegten, waren mit Flaggen und Wimpeln geziert. Hier flatterten die stolzen Farben Englands, dort die Trikolore Frankreichs und aus der Ferne schimmerten die bekannten Flaggen der deutschen Hansestädte zu uns herüber.