Wir machten unsere alte Route nach dem Broadway, der sich in ein stattliches Festgewand geworfen hatte. Von allen Dächern wehte das Sternenbanner und gab der Straße ein freundliches, festliches Aussehen. Die Lastwagen vom vorigen Tage blieben für heute verschwunden und nur die Omnibusse thaten ihren Dienst, um die entfernt Wohnenden nach dem Parke zu bringen. Ueberall drängte sich eine freudig erregte Menschenmenge, die sich schon Monate lang, wie die Kinder auf Weihnachten, auf diesen Tag gefreut hatten.
Die Geschäfte ruhen gänzlich an diesem Tage, und viele vermögende Fabrikanten und Kaufleute lassen ihren Arbeitern noch Geldgeschenke zukommen (was sich diese beiläufig bemerkt sehr gerne gefallen lassen), damit sie auf das Wohl der Republik ein Glas mehr trinken können.
Das größte Leben war im Parke, da in ihm und den zunächst gelegenen Straßen die Parade der New-Yorker Militz abgehalten wird. Der kommandirende General hatte sich bei unserer Ankunft mit seinem Stabe bereits da eingefunden und erwartete das Heranrücken der verschiedenen Corps, die vor ihm defiliren sollten.
Gegen 10 Uhr kam der zum größeren Theile aus Militz, zum kleineren aus Bürgern in Civilkleidern bestehende Festzug, welcher zwei volle Stunden in vollkommener Ordnung an uns vorbeimarschirte. Nur Derjenige, welcher an diesem Tage selbst in New-York war, kann sich einen Begriff von dem bunten und überraschenden Anblicke machen, der uns hier zu Theil wurde. Die Uniformen aller civilisirten Völker waren hier zu schauen, die Franzosen mit rothen Hosen und blauen Waffenröcken, die Schotten mit ihren Plaids, Bärenmützen und nackten Beinen, die Engländer mit rothen Fräcken und blauen Aufschlägen, deutsche Jäger, Dragoner und rothe Husaren und andere verschieden uniformirte deutsche Compagnien, die amerikanische Independenzgarde[ [7], welche noch die dreieckigen Hüte, die langen Schoßfräcke, kurzen Hosen und Stulpstiefeln aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges trägt, das Corps der New-Yorker Feuerlöschmannschaft mit prachtvollen Spritzen und in langem Zuge die Artillerie, welche nur solche Kanonen führte, die im Befreiungskriege den Engländern abgenommen worden waren.
[7]: Unabhängigkeitsgarde.
Am meisten fiel mir auf, daß, während die eine Compagnie die reichsten und geschmackvollsten Uniformen trug, die andere wieder das Bild der größten Einfachheit bot, da sie nur einen gewöhnlichen schwarzen Frack, schwarze Beinkleider, runden schwarzen Hut und weißes über der Brust gekreuztes Lederzeug trug, an welchem Säbel und Patrontasche hieng. Mancher deutsche Offizier würde hohnlächelnd auf diese Männer herabgeblickt haben, von denen sich so manche später den Siegeslorbeer aus Mexico holten. Diese eigenthümliche Uniformirung erklärt sich leicht aus der Freiheit, die den Bürgern bei der Organisation von Militzcompagnien gestattet ist. Sind 50-60 Mann zusammengetreten, wählen sie sich nach eigenem Geschmack und ihrer Ueberzeugung sowohl die Uniform, als die Offiziere.
Nachdem die Truppen abmarschirt waren, kamen die großen Züge der zahlreichen Freimaurerlogen und Gesellschaften, die sich zu den verschiedensten Zwecken, namentlich in großer Anzahl zur Unterstützung in Krankheitsfällen gebildet haben. Mit zahlreichen Bannern und Insignien zogen die Söhne des grünen Erin, die Schweizer, die deutsche Göthe- und Schiller-Loge, zusammen viele Tausende an uns vorbei.
Endlich zerstreute sich die Menge, um sich aus dem Gedränge und der fast unerträglichen Hitze in kühlere Gemächer zur Erholung zu begeben. Der Nachmittag führte den größten Theil der Bevölkerung in's Freie, wo auch W....... und ich in einem Kreise von Deutschen mit Gesang, Unterhaltung und Becherklang den denkwürdigen Tag in herzlicher Weise feierten.
Den Beschluß des Festes machte Abends die Illumination des Stadthauses, von dessen Giebel unaufhörlich Raketen in die Luft flogen, und die Abbrennung eines großen Feuerwerkes im Park, wobei wir fast in Gefahr geriethen, erdrückt zu werden. Ein ungeheures Jubelgeschrei, das sich bis in die fernsten Straßen fortpflanzte, erscholl, als zum Schlusse des Ganzen die Worte:
»the day of the 4th July 1776.«