über dem Portale des Stadthauses in Brillantfeuer sichtbar wurden. Wann wird unser Deutschland einen solchen Tag feiern?! –

Der Nachmittag lieferte ein Beispiel von der Größe des Nationalhasses zwischen den Vereinigten Staaten und England. Ein betrunkener englischer Matrose hatte die unglaubliche Dreistigkeit, auf einen Mastbaum zu steigen, der in Mitte einer frequenten Straße errichtet und mit der amerikanischen Flagge geziert war, und diese abzureißen. Diese Frechheit wurde aber sofort von dem Volke gezüchtigt, und der unverschämte Sohn des »fröhlichen Altenglands« gezwungen, das Sternenbanner wieder aufzuziehen, worauf ihn Constabler in das Quartier brachten, das solchen Helden gebührt.

Eilftes Capitel.
Eine Betrachtung über die Thätigkeit der Amerikaner. Die Erlangung des Bürgerrechts.

Mehrere Tage waren seit dem schönen Feste vergangen, als mich Freund W....... verließ, um in das Geschäft zurückzukehren, in welchem er vor seiner Abreise nach Europa thätig gewesen war. Ich stand nun allein und ohne Kenntniß der Sprache in der großen Stadt, mit Planen beschäftigt, die meine Zukunft sichern sollten. Allein jetzt erst bemerkte ich, daß die Auswanderung nach Amerika leichter auszuführen ist, als die Erwerbung einer Stellung, die uns auch die Mittel zum Leben bietet.

Nach reiflicher Ueberlegung erkannte ich recht gut, daß mir in New-York nichts Anderes übrig bliebe, als die erste beste Arbeit anzunehmen, die sich mir darbieten würde; denn es war mir bald klar geworden, daß ich mit der edlen Jurisprudenz, der ich mich in meinen Universitätsjahren gewidmet hatte, schwerlich erfreuliche und meinen Wünschen entsprechende Resultate erzielen würde. Hier kann ich nicht unterlassen, solchen Männern, welche nur Theoretisches erlernt haben, was sich in Amerika nicht sogleich auf das Praktische übertragen läßt, die größte Vorsicht im Auswandern zu empfehlen, namentlich wenn sie nicht im Besitze größerer Geldmittel sind, da sie sich gewiß in der ersten Zeit ihrer Ankunft auf dem westlichen Boden sehr enttäuscht finden werden. So sehr der Amerikaner die Wissenschaften liebt und so bedeutende Fortschritte er seit der Erringung der Unabhängigkeit in den meisten Zweigen des Wissens gemacht hat, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß ein Volk, das so viel aus dem Rohen herauszuarbeiten hatte und vor Allem mit der Entwickelung seiner politischen Institutionen sich beschäftigen mußte, um seine staatliche Existenz zu sichern, vorerst seine Hauptaufgabe in der Kräftigung seiner materiellen Interessen sieht; darum ist auch Alles, was Handel, Gewerbe, Industrie und die Production nach allen Richtungen hin betrifft, in der raschesten Entwickelung begriffen, und erregt selbst bei den Engländern, die in diesen Fächern so Erstaunliches geleistet haben, Neid, Eifersucht und Bewunderung. Eben so trefflich haben sie für die Vervollkommnung ihres inneren politischen Lebens gesorgt, welches nicht nur allgemeine Zufriedenheit im Lande verbreitet, sondern auch die Achtung anderer Völker genießt.

Die geistigen Kräfte haben sich hauptsächlich auf die Verbesserung des Maschinenwesens, des Bauwesens in allen seinen Theilen und das ganze Gebiet der Mechanik geworfen, da die günstigen Resultate des Nachdenkens in diesen Branchen nicht allein großen Nutzen für Handel und Wandel, sondern auch dem glücklichen Erfinder glänzenden Gewinn gewähren. In neuerer Zeit zeigte sich aber im Volke auch ein tiefer Drang nach allgemeiner Wissenschaftlichkeit, was es namentlich in New-York auf's Herrlichste beurkundete, als es sich im Jahre 1847 in allgemeiner Stimmenabgabe für die Gründung einer Freiakademie entschied. Allgemeine Bildung im deutschen Sinne würde in größerem Maße vorhanden seyn, hätte nicht der Mangel an besseren Erziehungsanstalten in früheren Jahren nur einem kleinen Theile der Amerikaner die Möglichkeit an die Hand gegeben, sich den höheren Wissenschaften zu widmen. Man merkt jedoch an ihnen weniger, als irgend anderswo, den Mangel an Bildung, da in dem amerikanischen Volke ein gesunder Sinn und ein klarer heller Verstand herrscht, welchen es namentlich der freien politischen Bewegung und seiner Presse verdankt.

In der ersten Zeit gieng ich mit dem Gedanken um, als Hauslehrer ein Unterkommen zu finden; aber alle meine Bemühungen waren fruchtlos, und schon begann ich unmuthig zu werden, als ich zufällig ein Paar alte Universitätsfreunde traf, die mir zwar keine Stelle verschaffen konnten, mich aber mit vielen Deutschen bekannt machten, was für mich ein großer Gewinn war, da ich dadurch einen deutschen Lehrer kennen lernte, der mir bald die Verwesung seiner Schule übertrug, als ihn eine Krankheit an's Bett fesselte. War damit auch nicht alle Sorge für die Zukunft entfernt, so gestalteten sich doch meine persönlichen Beziehungen immer angenehmer, was mir um so mehr Vergnügen bereitete, da sie mir eine reiche Quelle der Belehrung in Beziehung auf die Verhältnisse des Landes, seiner Regierung und seiner Parteien wurden.

Ich suchte mich vor Allem durch das Lesen von Zeitungen über Amerika zu unterrichten, und nahm, weil ich der englischen Sprache nicht mächtig genug war, um amerikanische Blätter verstehen zu können, meine Zuflucht zu den deutschen. Aber ich fand bald, daß diese allein zu gründlicher Belehrung nicht hinreichen; ich erhielt wohl Kunde von den Ereignissen in Europa und Amerika, auch las ich die Verhandlungen der gesetzgebenden Körper der Einzelstaaten und des Congresses in Washington, aber mir blieben die Parteistellungen vollkommen fremd, da die Blätter sämmtlich bei ihren Lesern die Kenntniß der Grundsätze der Demokraten, Whigs, Nationalreformer, Abolitionisten und Antirenter voraussetzen. Handbücher, welche diesen Gegenstand behandelten, standen mir nicht zu Gebote, weßhalb ich mich entschloß, mich an solche Männer mit der Bitte um guten Rath zu wenden, welche während eines langen Aufenthaltes in Amerika die Verhältnisse des Landes aus eigener Erfahrung kennen gelernt hatten. Von ihnen erhielt ich die Weisung, die politischen Versammlungen der Deutschen und der Amerikaner zu besuchen, und zwar hauptsächlich diejenigen, welche von den beiden Hauptparteien unmittelbar vor wichtigen Wahlen abgehalten werden würden, da in ihnen die Cardinalgrundsätze der Partei auseinandergesetzt und für und wider erörtert würden.

Nur auf diese Weise kann man sich eine rasche und zugleich gründliche Belehrung über die amerikanischen Parteizustände verschaffen, und ich empfehle diese Methode daher jedem neuen Einwanderer, und vorzüglich dem, welcher Pflichtgefühl im Herzen trägt und es für Sache der Ehre hält, sich am öffentlichen Leben mitzubetheiligen und für das Wohl und Wehe seines neuen Vaterlandes mitzuwirken, und sich nicht als sein höchstes Ziel das Sammeln von Reichthümern gesetzt hat.

Die Einwanderer können freilich erst nach einem fünfjährigen Aufenthalte das Bürgerrecht erlangen, was zu manchen ungerechten Urtheilen Veranlassung gibt, aber der Unbefangene wird die Weisheit dieses Gesetzes anerkennen, wenn er bedenkt, daß der amerikanische Bürger alle gesetzgebenden und vollziehenden Gewalten selbst erwählt und sich nothwendigerweise zu einer Partei halten muß, um seine politische Ueberzeugung in's Leben gerufen zu sehen. Dieses kann aber von einem Manne nicht erwartet werden, der aus einem Lande hergewandert kommt, welches ganz andere Staatseinrichtungen besitzt, der die Sprache, in der die wichtigsten Interessen des Landes verhandelt werden, nicht versteht, kaum einen Begriff von den amerikanischen Verfassungen hat und im Grunde genommen nicht mehr von den Vereinigten Staaten weiß, als »daß es drüben besser ist!« Dieses Gesetz könnte nur dann ein Tadel treffen, wenn es einen Unterschied zwischen dem Einwanderer und dem Eingebornen in Betreff von Leistungen an den Staat machen würde, was jedoch nicht der Fall ist. Leider habe ich die traurige Erfahrung machen müssen, daß trotz der vielen Klagen über die späte Erlangung des Bürgerrechts doch genug Einwanderer in den verschiedenen Staaten leben, welche sich nicht einmal die leichte und billige Mühe, dasselbe jemals zu erwerben, geben mögen.