Die Partei der Demokraten besteht hauptsächlich aus der Klasse der kleineren Gewerbsmänner, der Ackerbautreibenden und der großen Mittelklasse des Volkes, während in den Reihen der Whigs vorzüglich die großen Kaufleute, Bankhalter, Fabrikanten, Monopolisten und Alle die kämpfen, welche von ihnen ihren Unterhalt beziehen. Dem Leser wird bei dieser Zusammensetzung der Parteien leicht einleuchten, daß beide in Bezug auf die Handelspolitik, welche für Amerika von so hoher Wichtigkeit ist, sehr verschiedener Ansicht seyn müssen. Während die Whigs einen hohen Eingangszoll für diejenigen Artikel verlangen, welche das Volk in Massen consumirt und zum Leben unentbehrlich hat, wünschen sie einen niedrigen für Gegenstände des Luxus, welche nur dem Reichen zugänglich sind. Trotz aller Bemühungen fiel das Prinzip der Whigs im Jahre 1847, wenn auch nur mit der Mehrheit einer Stimme[ [8], durch, und die siegreiche demokratische Partei gab ein neues gerechteres Zollsystem, welches in den wenigen Jahren seines Bestehens die Behauptungen der Whigs glänzend widerlegte, daß durch dasselbe der Handel und die Fabriken der Vereinigten Staaten in Verfall kommen müßten. Trotzdem bieten sie noch heute alle ihre Kräfte auf, das ihnen verhaßte neue Zollsystem zu stürzen, was sie hauptsächlich durch die Erwählung eines Präsidenten aus ihrer Partei zu bewerkstelligen hofften. Ob aber ihr siegreicher Candidat, der bekannte General Taylor, welcher die Ablegung seines politischen Glaubensbekenntnisses vor der Wahl entschieden verweigerte und diese überhaupt nur seinen großen Verdiensten in Mexico zu verdanken hat, in dieser Frage eine andere Politik, als die 1847 angenommene, verfolgen wird, dürfte sehr zu bezweifeln seyn, da alle Zeichen darauf hindeuten, daß derselbe eine von den Parteien ganz unabhängige Stellung, wie der im Jahre 1840 ebenfalls von den Whigs gewählte Tyler, behaupten wird.

[8]: Diese gab der Vicepräsident Dallas im Senate zu Washington zu Gunsten der demokratischen Partei, wofür die Whigs in Philadelphia sein Bildniß in den Straßen verbrannten.

Einen zweiten Streitpunkt zwischen den beiden Parteien gibt die Gründung einer großen Nationalbank ab, welche die Whigs kräftig bevorworten und die Demokraten entschieden verwerfen. Die traurigen Erfahrungen, welche das amerikanische Volk mit der durch Präsident Jackson gestürzten Nationalbank machte, deren Finanzoperationen unwillkührlich an die Law'schen Schwindeleien in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Frankreich erinnern, sind indessen noch in zu frischem Andenken, als daß die Whigpartei auf einen Sieg in dieser Frage hoffen dürfte. Das Bankwesen hat überhaupt an den Demokraten sehr heftige Gegner, obschon sie es bis jetzt noch zu keinem entscheidenden Resultate bringen konnten, da dieses Uebel zu tief in Handel und Wandel Wurzeln geschlagen hat.

Zu einem erbitterten Kampfe zwischen den beiden Parteien führte die Einverleibung des Texanischen Gebietes, welches nach der Erringung seiner Unabhängigkeit in die Union aufgenommen werden wollte. Die Whigs kämpften, namentlich um den Eintritt eines neuen Sklavenstaates zu verhindern, mit aller Macht gegen die Annexation, und griffen den Präsidenten Polk, der sie durchführte, auf's Heftigste an. Ihre Polemik überstieg alle Grenzen der politischen Klugheit und Mäßigung, als durch diesen Act der Krieg mit Mexico herbeigeführt wurde, welchen sie trotz der Verletzung des Völkerrechts von Seite der Mexicaner einen ungerechten und unehrenvollen nannten und dadurch die Feinde ihres Vaterlands zu einem Widerstande ermunterten, der schon im Beginne wahnsinnig, zuletzt mit dem Verluste weiter Länderstrecken für Mexico endete. Die Whigs erwarben sich durch ihr damaliges Benehmen den Spottnamen »Mexicanische Whigs«. Jedoch muß ich hier zu Ehren dieser Partei erwähnen, daß nicht Alle von diesem Friedensfanatismus befallen waren; die Generale Taylor und Winfield Scott, welche ihrer Partei angehörten, kämpften ruhmvoll an der Spitze der amerikanischen Armeen, und der Major Clay, ein Sohn eines ihrer berühmtesten Führer, des großen Staatsmannes Henry Clay, fiel auf dem Felde der Ehre.

In Betreff der Sclavenfrage sind die Ansichten beider Parteien ebenfalls sehr verschieden. Viele Whigs nehmen Antheil an den Bestrebungen der Abolitionisten, welche das sofortige und unbedingte Aufhören der Sclaverei wollen. Dieser wohlfeilen Humanitätsschwärmerei treten die Demokraten entschieden entgegen, da aus der plötzlichen Befreiung der Sclaven die unheilvollsten Folgen für die Vereinigten Staaten erwachsen würden; denn es stände in diesem Falle nicht allein die Lösung der Union, die nur durch die große Weisheit und Mäßigung Washingtons gegründet wurde, sondern auch ein Kampf zwischen der weißen und der farbigen Raçe zu befürchten, welchen in neuester Zeit als Folge zu rascher Emancipation die Franzosen in ihren Colonieen so sehr zu beklagen hatten.

Die Whigs machten vor mehreren Jahren in dem Staate New-York den Versuch, den freien Negern das volle Bürgerrecht und mit diesem das Stimm- und Wahlrecht einzuräumen. Als aber dem Volke die Entscheidung vorgelegt wurde, fiel die Frage mit großer Majorität, weil die öffentliche Meinung sich hinlänglich davon überzeugt hatte, daß zu einem solchen hohen Grade der Freiheit und bürgerlichen Berechtigung die Neger denn doch noch lange nicht genug Civilisation und Bildung besäßen. Namentlich fürchtete man, sie möchten von ehrgeizigen Parteimännern zu Parteizwecken gewonnen, und dadurch die Wohlthat der allgemeinen freien Wahl zum Fluche für das Land werden. Bei der Rohheit der Farbigen, bei ihrer übeln Ausdünstung und ihren vielen, der weißen Raçe höchst widrigen Gewohnheiten ist an einen engeren Verband, sey es im Staats- oder Familienleben, vorläufig noch gar nicht zu denken.

Der Leser wird aus dieser Charakteristik der beiden großen Parteien nun entnehmen können, welcher Art die Parteikämpfe in Amerika sind. Sie bleiben, einzelne Fälle, für die man die Parteien nicht verantwortlich machen darf, stets in den Schranken des Gesetzes, und jede fügt sich der Majorität, und wenn sie auch nur durch eine einzige Stimme errungen wurde. Der unterlegene Theil ist niedergeschlagen über die erlittene Schlappe, tröstet sich aber mit der Aussicht auf den Sieg bei dem nächsten Wahlkampfe.

Die kleineren Parteien, die Antirenter, Abolitionisten und Nationalreformer haben bis jetzt momentan nur dann eine größere Bedeutung erlangen können, wenn sie sich bei besonders wichtigen Wahlkämpfen mit der einen oder der anderen Hauptpartei verbanden und dieser durch ihre Unterstützung den Sieg verschafften. Von den letztgenannten Fraktionen haben wohl nur die Nationalreformer eine Zukunft, da die Grundsätze der beiden ersteren viel zu einseitig und theilweise auch zu ungerecht und fanatisch sind, um auf einen Sieg hoffen zu dürfen.

Dreizehntes Capitel.
Die Nationalreformer. Deutsche communistische Colonieen.

Die Partei der Nationalreformer hat sich erst seit wenigen Jahren gebildet und organisirt. Ihre Entstehung verdankt sie dem Socialismus, welcher auch in Amerika Eingang gefunden und dort, und zwar nach den unglücklichen Erfolgen der L. Blanc'schen Experimente, bis jetzt allein praktische Seiten gewonnen hat. Zu ihren Anhängern zählt sie viele Demokraten und Whigs, eine ziemliche Anzahl Arbeiter, den kleineren Handwerksstand und eine Masse sonst indifferenter Personen, welche sich von der Realisirung der Grundsätze dieser Partei einen greifbaren Gewinn, nämlich einen kostenfreien Grundbesitz versprechen. Mancher meiner Leser wird hier bedauern, daß sich auch in Amerika schon Communisten, rothe Republikaner und Feinde des Eigenthums befinden, welche durch die Verfolgung unausführbarer Ideen allen gesetzlichen Boden unterwühlen und die Existenz der Republik gefährden. Dem ist aber zum Glücke nicht so; das amerikanische Volk hat einerseits viel zu viel Achtung vor dem von ihm selbst gegebenen Gesetz, andererseits betheiligt es sich nur bei solchen Parteibestrebungen, bei denen der günstige Erfolg fast außer Zweifel ist, denn es ist nichts weniger, als ein Freund unpraktischer und hohler Theorieen.