Die Nationalreformer gehen von dem Grundsatze aus, daß die Erde, der Grund und Boden Eigenthum Aller sey, und stellten daher das Axiom auf: »das Land soll frei seyn«, d. h. es soll nicht verkauft werden und nicht zum Gegenstand des Wuchers und der Spekulation dienen, da es gleich dem Feuer, dem Wasser und der Luft zum Leben unentbehrlich sey, indem der Mensch ohne Boden verhungern, wie der Fisch ohne Wasser verschmachten müsse.

Diese Partei beabsichtigt jedoch keineswegs, die Grundbesitzer in ihren wohlerworbenen Rechten zu kränken und bereits verkauftes Land unter sich zu vertheilen, sondern ihr Wirken geht dahin, den Verkauf des bis jetzt noch unverkauften und unbebauten Landes in Amerika zu verhindern, und von dem Congresse ein Gesetz zu erlangen, welches die Erwerbung von Grundbesitz nur dem wirklichen Bebauer gestattet. Dieses strenge im Auge behaltend, verlangen sie, daß jeder wirkliche Ansiedler unentgeldlich 160 Acres Land in Besitz nehmen könne; da aber »das Land frei seyn soll«, ist dem jedesmaligen Besitzer eines solchen Gütercomplexes der Verkauf, die Verpachtung und die Aufnahme von Hypotheken zu untersagen. In dem Falle des Aussterbens einer Familie fällt der Grundbesitz wieder dem Staate anheim.

Die Tragweite dieser Maßregel wäre bei praktischer Durchführung gar nicht zu ermessen, denn es würde durch sie nicht allein die mittlere Klasse Amerikas, welche sich im Besitze einigen Baargeldes befindet, in den Stand gesetzt, sich eine sichere Heimath zu gründen und unabhängig von Anderen zu leben, sondern auch bei dem Wegzuge von Arbeitern in's Innere des Landes der neuankommende Handwerker leichter und schneller untergebracht und dem Sinken des Arbeitspreises am besten vorgebeugt. Für das übervölkerte und vom Proletariate überschwemmte Europa würde die Durchführung dieses großen Gedankens ebenfalls ein Segen seyn, da vielen kleineren Bauern und Handwerkern, die sich in Europa nur höchst kümmerlich nähren, obschon sie einen kleinen Capitalwerth besitzen, die Auswanderung gewiß sehr erleichtert wäre, wenn sie die Summe für den Ankauf des Landes in Amerika nicht mehr zu entrichten hätten.

Der Ausführung selbst steht wenig im Wege, wenn man das Geschrei der Bankmänner und Capitalisten allenfalls nicht zu hoch anschlagen will, welche sich durch Landschacher in kurzer Zeit ein ungeheures Vermögen erworben haben, denn es liegen in dem weiten Gebiete der Vereinigten Staaten mit Einschluß des in Folge des Mexicanischen Friedensschlusses acquirirten Landes noch 1000 Millionen Acres Land unbebaut da. Mögen auch hiervon Millionen steril, versumpft oder wegen klimatischer Verhältnisse unbewohnbar seyn, so wäre doch vielen Hunderttausenden von Familien ein freier Grundbesitz erworben. Der raschen Lösung der Aufgabe, welche sich die Nationalreformer gestellt haben, steht nur ein Hinderniß entgegen, nämlich die Deckung des dadurch in der Staatskasse entstehenden Ausfalls, da der Landverkauf bis jetzt jährlich immer einige Millionen Dollars eingetragen hat. Es liegt aber außer allem Zweifel, daß eine der großen Parteien die Nationalreformer in der Durchführung der Bodenfrage unterstützen muß, da diese durch ihre rastlosen Bemühungen und namentlich durch die außerordentliche Thätigkeit eines eingewanderten Engländers, des Mr. Evans, zahlreiche Anhänger im Volke gefunden haben. Das von ihm redigirte Journal »Young America« hat sich im Jahre 1847 und 1848 einen weiten Leserkreis erworben und für die Grundsätze der Partei eine weitausgedehnte Propaganda gemacht.

Die Bodenfrage wurde im Jahre 1847 von einem großen Theile der demokratischen Partei in ihrem Hauptquartiere Tammany-Hall in einem großen und begeisterten Meeting als ein neuer Grundsatz ihres Glaubensbekenntnisses anerkannt, und seit jenem Tage sprechen sich auch immer mehr einflußreiche Stimmen im Congresse für sie aus.

Eine andere, weniger wichtige, jedoch immer tief in's Leben greifende Maßregel suchen die Nationalreformer noch in der Herabsetzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden durchzusetzen. Der Staat hat schon seit längerer Zeit bei den Staatsbauten diesen Grundsatz adoptirt, und es wird selbst in den Manufacturen und Fabriken New-Yorks, wenn von ihnen die Arbeit nicht stückweise in Accord gegeben wird, die vor Morgens 7 Uhr und nach Abends 6 Uhr geleistete extra vergütet. Nur in den großen Baumwollenfabriken, namentlich in Lowell, wird noch 12 Stunden und länger gearbeitet.

Die Nationalreformer unterstützen bei den Wahlen keinen Candidaten, der nicht ihr Pledge unterzeichnet, d. h. welcher nicht die schriftliche Zusicherung ertheilt hat, daß er nach Kräften für die Bodenfrage thätig seyn will. Sie nehmen darauf bei allen, selbst bei den unbedeutendsten Wahlen strenge Rücksicht, um ihre Partei immer mehr zu vergrößern, und es ist ihnen bereits gelungen, diese schriftliche Zusicherung von mehreren einflußreichen Demokraten und Whigs zu erlangen.

Auch bei den Deutschen hat die Agitation für die Bodenfrage mächtig um sich gegriffen und durch eine tüchtige Organisation eine solche Verbreitung und Bedeutung erhalten, daß ein deutsches Blatt, »Der Volkstribun«, ein ganzes Jahr lang erschien, um durch dasselbe die Grundsätze der Nationalreformer unter den Deutschen in derselben Art zu verbreiten, wie sie Mr. Evans in seinem Blatte »Young America« bei den Englischsprechenden vertrat.

Einzelne deutsche Nationalreformer haben auch Versuche zur Gründung von communistischen Colonieen gemacht, welche aber, soweit sie mir bekannt wurden, sämmtlich scheiterten. Im Jahre 1847 machten sich Sechs von ihnen, welche von der praktischen Durchführung des Communismus überzeugt waren, auf, um hinter Wisconsin in den nördlichen Gegenden des Mississippi eine Probe mit dem Zusammenleben in Gemeinschaft zu machen. Sie verkauften ihre Mobilien in New-York, versorgten ihre Familien mit dem Nothwendigsten, da sie diese einstweilen bis zur Errichtung von Blockhäusern zurücklassen wollten, und machten sich gut ausgerüstet auf den Weg. Mehrere von ihnen waren Mechaniker und hatten vor ihrer Abreise eine Schneidemühle construirt, die sie in den westlichen Wäldern aufstellen wollten, um Bretter und Balken auf dem Mississippi nach den südlichen Märkten zum Verkauf bringen zu können. Als sie an den nördlichen Seen angekommen waren, kauften sie Vieh, und wollten sich nun mit Wagen und einer Masse von Geräthschaften aller Art weiter in's Innere begeben, als Ereignisse eintraten, welche das ganze communistische Bündniß lösten. Um nämlich mit Allem versehen zu seyn, was man in der Wildniß entbehren muß, hatten sie auch nicht vergessen, eine große Tonne Brandwein mitzunehmen, wofür sich namentlich Einer von ihnen, ein großer Liebhaber des Feuerwassers, so lebhaft interessirte, daß er den ganzen Tag nicht mehr von dem Spundloche wegzubringen war. Die Anderen, welche den gleichen Antheil hatten, wollten natürlich nicht zu kurz kommen, und so endete die ganze Unternehmung in der traurigsten Weise in abwechselnder Rauferei und Trunkenheit, nachdem sich vorher die besseren Elemente von ihnen entfernt hatten, um wenigstens noch Etwas aus dem gemeinschaftlichen Schiffbruche zu retten. Nach drei Monaten kamen Diejenigen, deren Weiber und Kinder bis dahin in der frohen Erwartung gelebt hatten, bald in das neue Eldorado eingeführt zu werden, leer zurück, da sie das Wenige, was noch übrig geblieben war, verkaufen mußten, um nur die Mittel zur Heimreise zu erlangen.

Ein anderes ähnliches Unternehmen scheiterte zwar nicht aus Mangel an Eintracht, Nüchternheit und Thätigkeit, trug aber schon deßhalb den Keim eines frühen Todes in sich, weil die Betheiligten bei der Anlage weit über ihre Mittel hinausgegangen waren, und zuletzt der dringend nothwendige Geldzuschuß ausblieb.