Zwanzigstes Capitel.
Die New-Yorker Presse.

Zur Befestigung der amerikanischen Institutionen hat in besonders hohem Grade die Presse beigetragen, weßhalb ich ihrer auch einige Erwähnung thun muß. Sie übt einen um so größeren Einfluß auf das Volk, als ihr von jeher die berühmtesten und patriotischsten Staatsmänner ihre Kräfte gewidmet haben, damit den Lesern außer der vielen mittelmäßigen Kost auch eine gediegene gereicht werde.

In keiner Stadt der Union hat sie sich zu einer so hohen Bedeutung und zu einem solchen Einflusse emporgeschwungen, wie in New-York, weßhalb auch eine jede nur einigermaßen Lebenskräftigkeit besitzende Partei dort ein Organ hat. Die Journale New-Yorks entsprechen aber auch allen den Anforderungen, welche man an sie vermöge der Größe, Bedeutung und Bildung der Stadt stellen kann, es erscheinen nicht allein politische, sondern auch wissenschaftliche, belletristische, musikalische und gewerbliche Blätter; nicht verkennen läßt sich jedoch, daß zu dieser Entwickelung der Presse der Handel und der große Verkehr in New-York unendlich viel beigetragen hat; um Beide zu heben, baute man die weiten Eisenbahnstrecken, Canäle und Telegraphenlinien, durch deren Herstellung die kaum glaubliche Thatsache möglich geworden ist, an jedem Tage in New-York Nachrichten aus allen Theilen der Union in der Art zu erhalten, daß alle Ereignisse und die Marktpreise von New-Orleans, St. Louis und Buffalo wenige Stunden nach ihrem Bekanntwerden in den genannten Städten auch schon dem New-Yorker Publikum durch die Presse mitgetheilt werden können. Durch diese ungeheure Schnelligkeit der Communication ist auch das allgemeine Interesse viel lebendiger und der Absatz beliebter Blätter ungleich größer, als in Deutschland, während die Redactionen auf der anderen Seite wieder in den Stand gesetzt sind, einen billigen Preis zu stellen. Die Sonne[ [15] zieht eine tägliche Auflage von 60,000 und der Herald eine von 40,000 Exempl. ab.

[15]: The Sun.

Die Morgenzeitungen bringen noch alle die Nachrichten, welche bis 3 Uhr in der Frühe einlaufen; erst in dieser Stunde wird der Satz geschlossen und der Druck begonnen. Um 7½ Uhr haben die meisten Abonnenten in der Stadt ihre Blätter schon unter der Hausthüre liegen, da zu dieser Zeit noch sämmtliche Wohnungen und alle Verkaufslokale geschlossen sind. In den Geschäftsstraßen, die sich erst um 7 Uhr beleben, da in ihnen Niemand wohnt, liegen bei trockenem Wetter vor manchem Hause 20-30 Blätter, ohne daß der Subscribent eine Entwendung zu befürchten hätte.

Jedes Journal druckt täglich mehrere Tausend Exemplare über die Abonnentenzahl, welche größtentheils von Zeitungsjungen in den Straßen, an der Börse, an den Landungsplätzen der Dampfschiffe und an den Eisenbahnen verkauft werden. Zu dem großen Absatz der New-Yorker Blätter trägt besonders der Umstand bei, daß der Leser mit dem Beginne des Abonnements an keine bestimmte Zeit gebunden ist, indem die Zeitungsträger jeden Montag ihr Geld für das in der vergangenen Woche gebrachte Journal abholen. Für minderbemittelte Leser, welche eine größere Ausgabe scheuen müssen, ist dies eine sehr große Erleichterung.

Außer den in englischer Sprache gedruckten Blättern erscheinen in deutscher die New-Yorker Staatszeitung, die New-Yorker Schnellpost und der New-Yorker Demokrat mit einem Sonntagsblatte, und in französischer der Courier des Etats unis, welcher von der Regierung Louis Philipps Unterstützung erhielt und dafür oft in nicht sehr würdiger Weise die Interessen der Dynastie Orleans vertrat. Mit der Februarrevolution änderte er Redaction und Farbe. Kurze Zeit erschien auch ein Blatt für die Scandinavier; es mußte aber wegen Mangel an Theilnahme zu erscheinen aufhören.

Die Stimme des Staates New-York fällt bei der Entscheidung politischer Kämpfe schwer in die Wagschaale. Es haben daher die Demokraten und die Whigs von jeher alle ihre Kräfte aufgeboten, die Stadt und den Staat für ihre Ansichten zu gewinnen. Beide erkannten nur zu gut, daß sie sich keines besseren Agitationsmittel bedienen konnten, als der Presse, und sie sorgten daher für die Gründung von Parteijournalen, welche sich fast durchgängig mit der Erörterung politischer Parteigrundsätze und der Kritik der Regierungsmaßregeln beschäftigen. Im Sinne der Demokraten schreiben »the true Sun«, »the Globe« und die unter der Redaction des Dichters Bryant erscheinende »Evening-Post«[ [16]. Die schon oben erwähnte Sun neigt sich ebenfalls der Demokratie zu, obschon sie fast in jeder ihrer Spalten versichert, daß sie ein unpartheiisches und unabhängiges Blatt sey. Die Interessen der Whigs werden mehr oder wenig von der New-York Tribune, dem Courier and Inquirer und dem Express vertreten.

[16]: Die wahre Sonne, die Erdkugel und die Abendpost.

Als wahrhaft unabhängiges[ [17] und deßhalb von allen Parteien sehr geschätztes Blatt ist der New-York Herald auch im Auslande rühmlichst bekannt, und die meisten deutschen Artikel über Amerika sind wohl aus ihm übersetzt. Er liefert auch die politischen Neuigkeiten am raschesten, ausführlichsten und zuverlässigsten und wurde dem gebildeten Leser schon deßhalb unentbehrlich, weil er das einzige politische Sonntagsblatt ist. Von den Einwanderern wird er besonders geschätzt, da er Correspondenten in allen bedeutenden Städten Europas hat. Der Eigenthümer dieses Journals, Mr. Gordon Bennet, läßt seit der Gründung der französischen Dampfschifffahrtslinie von Cherbourg nach New-York auch eine französische Ausgabe seines Blattes für Frankreich besorgen, welche von Freunden dieser Sprache auch zahlreich in New-York gekauft wird.