Zum Nutzen der Tischler und Feuerarbeiter will ich hier noch anführen, daß Erstere ihr Werkzeug ganz, Letztere zum großen Theil als Eigenthum besitzen müssen, wenn sie drüben in Arbeit treten wollen, da der Meister für die Herbeischaffung desselben nicht sorgt. Es ist übrigens vortheilhafter, sich das Nöthige in New-York einzukaufen, da man es dort in den Werkzeugsläden billig und von ganz vorzüglicher Güte und Schönheit erhält. Ich glaubte um so mehr hierauf aufmerksam zu machen, als einige Tischler, welche mit mir gemeinschaftlich die Reise gemacht hatten, mehrere Wochen ohne Arbeit waren, weil ihnen dieser Umstand unbekannt war.

Deutsche Aerzte sind in New-York im Ueberfluß vorhanden, und es fehlt nicht an tüchtigen Männern in allen Zweigen der Heilkunde. Es ist daher einwandernden Aerzten der Aufenthalt in New-York nicht zu empfehlen, obschon sich in den letzten Jahren mehrere daselbst niedergelassen haben; sie konnten sich aber nur mit grosser Mühe eine kleine Praxis erwerben. An deutschen Advokaten ist ebenfalls kein Mangel und für Juristen wenig oder gar keine Hoffnung vorhanden, einen guten Nahrungsstand begründen zu können. Geistliche sind oft im Innern des Landes gesucht; es ist aber die lediglich von Seite der Gemeinden ausgehende Anstellung meistentheils an die Bedingung der Vorlage von Zeugnissen über regelmäßiges Studium der Theologie, bestandenes Examen und erhaltene Ordination geknüpft.

Landleute muß ich dringend warnen, in New-York Länderstrecken anzukaufen, welche im Innern des Landes liegen und vorher von ihnen nicht persönlich eingeschaut worden sind. Man sollte einen solchen Rath für überflüssig halten, da kein erfahrener Oekonom einen solchen Schritt thun und gleichsam die Katze im Sack kaufen wird. Gleichwohl hat es leider genug leichtgläubige und gutmüthige Menschen gegeben, welche sich von Landspekulanten in New-York auf die unerhörteste Weise übervortheilen ließen. Bei dem Abschlusse solcher Geschäfte entwickeln die Makler wieder einen neuen Zug ihrer Thätigkeit. Den besten Rath erhält der Auswanderer auch in dieser Angelegenheit bei der deutschen Gesellschaft und dem deutschen Volksverein.

Viele Auswanderer kaufen in Deutschland Handelsartikel ein, welche sie drüben gut und vortheilhaft verwerthen zu können glauben. Hier thut ebenfalls große Vorsicht Noth, da die Wenigsten eine genaue Kenntniß der dortigen Fabrikate, Preise und Handelsconjuncturen besitzen. Wer nicht aus zuverlässigen amerikanischen Briefen die feste Gewißheit geschöpft hat, daß er ein sicheres Geschäft machen kann, thut besser, sich mit solchen Spekulationen nicht zu befassen. Man kann sein Geld viel klüger zu dem Ankauf von Kleidungsstücken, Schuhen und Stiefeln, eines guten Vorrathes Wäsche und anderer unentbehrlicher Lebensbedürfnisse verwenden. Alle diese Artikel sind in Amerika bei weitem weniger haltbar und unverhältnißmäßig theurer, als in Deutschland.

Der Auswanderer wird aus dieser Schilderung sich eine Vorstellung von dem machen können, was ihn in Amerika erwartet. Er wird drüben Manches nicht so finden, wie er es sich vorstellte, auf der andern Seite aber auch für manche Täuschung wieder reich entschädigt werden. Ist er fähig, in der Freiheit und der möglichst großen Selbstständigkeit eines der edelsten Güter des Menschen zu erblicken, wird er sich gewiß befriedigt fühlen; strebt er aber einzig und allein nur nach materieller Glückseligkeit, so möge er bedenken, daß er auch drüben wie überall den Wechselfällen des Glückes ausgesetzt ist und daß die innere Zufriedenheit auch an dem westlichen Gestade von Bescheidenheit in den Anforderungen, und die Erfolge unserer Thätigkeit von unserer Umsicht und unseren Kenntnissen abhängig sind.


Druck der Mintzel'schen Buchdruckerei in Hof.

(C. Hörmann.)

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