In Staatenisland muß die Quarantaine abgehalten werden, wenn dem Quarantainearzt der Gesundheitszustand der Passagiere nicht befriedigend scheint. Die auf der Insel befindlichen Hospitäler, die eine große Anzahl Kranker aufnehmen können, sind oft überfüllt, namentlich war dies im Jahre 1847 der Fall, in welchem hauptsächlich in den von England und Irland kommenden Schiffen das Schiffsfieber in grauenerregender Art grassirte.

Ohngeachtet unsere Aufmerksamkeit jeden Augenblick auf einen neuen interessanten Gegenstand hingelenkt wurde, fiel uns doch der geringfügige Umstand auf, daß 4-5 Kähne unserem Schiffe beständig zur Seite blieben. Mein Freund W......., wie immer thätig und wacker für mich sorgend, theilte mir mit, daß sich in diesen Booten die verrufenen und berüchtigten deutschen Makler befänden, welche den ankommenden Schiffen 5-6 Meilen entgegenfahren, um sich ihre Opfer schon auszusuchen, ehe sie nur das Land betreten haben. Viele Capitaine erlauben ihnen, an Bord zu kommen, damit durch sie die Passagiere möglichst rasch vom Schiffe geschafft werden; unser Higgins aber war zu redlich und brav, um diesen unsauberen Gesellen den Zutritt zu seiner Lila, deren reinen Namen er nicht von ihnen beflecken lassen wollte, zu gestatten. Ihre anfängliche Höflichkeit verwandelte sich nach erhaltener abschläglicher Antwort sofort in die gemeinste Rohheit, und unser guter Capitain würde sich wohl über den Reichthum unserer Muttersprache an Schimpfwörtern gar sehr gewundert haben, hätte er dieselbe verstanden.

Bald erblickten wir auch das freundliche New-Jersey und die Castelle von Governers-Island und Battery, sowie die Masten unzähliger Schiffe, welche uns die Aussicht auf die Stadt versperrten. Gelingt es auch dem Feinde, durch die Einfahrt in die Bay zu dringen, so erwartet ihn ein zweites verheerendes Kreuzfeuer in derselben, welches ihm die Einnahme wohl unmöglich machen dürfte, obschon die Stadt an und für sich gänzlich frei und offen daliegt.

Endlich waren wir in dem Northriver, dem einem Arme des Hudson, eingelaufen; unser Schiff machte eine Wendung und wir lagen am Docke. Kaum aber hatten die Matrosen die Schiffstreppe an der einen Seite hinabgelassen, als die uns treu zur Seite gebliebenen Makler an Bord kamen und ihr feines Gewerbe begannen. Wie diese Art Menschen ihren Köder auswirft, um gutmüthige Leute zu fangen, welche von ihren Prellereien nichts ahnen, will ich aus eigner Erfahrung erzählen.

Nach ihrer Ankunft auf dem Schiffe stellten sie zuerst gleichgültige und unbedeutende Fragen an die Passagiere, um aus dem Dialekte zu errathen, aus welchem Theile Deutschlands sie kämen. »Ah! Sie sind auch ein Sachse, Preuße, Bayer, Hesse u. s. w. Das ist schön, da sind wir ja Landsleute!« Dann vertrauten uns diese edlen uneigennützigen Seelen das schon bekannte Geheimniß an, daß Makler am Bord seyen. »Nehmen sie sich in Acht vor diesen verrufenen Menschen! Mir können Sie Ihr Vertrauen schenken, da mich einzig und allein die Sehnsucht nach Landsleuten auf das Schiff geführt hat, die mir etwas Neues aus der theuern Heimath melden könnten. Ach, Deutschland bleibt doch immer schön!« Auf diese Weise ist nicht allein der Angesprochene, sondern auch jeder Unerfahrene gefangen, der im Kreise um den Gauner herumstand, um seinen gemüthlichen Worten zu lauschen.

Die Makler sind fast ohne Ausnahme in den Diensten derjenigen Wirthe, welche in der Nähe des Hafens wohnen und einzig und allein von den Einwanderern leben. Sie suchen daher durch alle möglichen Kunstgriffe die neuen Ankömmlinge in das Haus desjenigen Gastwirths zu locken, mit dem sie in Geschäftsverbindung stehen. Diese Menschen verlangen natürlich für ihre Leistungen eine gute Bezahlung, die ihnen der Wirth leisten muß, da durch Geldforderung von ihrer Seite die Auswanderer mißtrauisch werden würden. Es ist nicht selten, daß ein gewandter Makler monatlich von dem Wirth, dem er die Opfer liefert, 30 Dollars[ [4] nebst Kost und Logis erhält, die natürlich wieder den Einwanderern abgenommen werden. Nebenbei wissen sie auf die gewandteste Weise den Ankömmlingen das Geld aus der Tasche zu spielen und sie in verdrießliche Händel zu verwickeln, um ihre Hülfe und Unterstützung in Anspruch genommen zu sehen, die natürlich reichlich bezahlt werden muß, wie überhaupt alle ihre Dienste sechsfach vergütet werden müssen; so sah ich z. B., wie sie einem Landmann das halbvolle Glas zum Trinken reichten, für welche Ehre demselben eine volle Flasche Rheinwein abgepreßt wurde.

[4]: Ein Dollar = 2 fl. 30 kr. oder 1 Thlr. 13 Ngr.

Für das Eigenthum sind sie theilweise äußerst gefährliche Menschen; am besten thut man, wie dies allen Reisenden immer wieder empfohlen werden darf, durchaus kein Geld sehen zu lassen, denn sie liegen dem, bei welchem sie edles Metall vermuthen oder erblickt haben, in ihrer zudringlichen und ekelhaft widrigen Manier so auf dem Halse, daß er ihnen nur durch eine Wohnungsveränderung entgehen kann.

Eine weitere Erwerbsquelle dieser Menschen ist ihre Verbindung mit den verschiedenen Dampfschifffahrts-Gesellschaften und Eisenbahn-Compagnien, welche unter sich concurriren und deßhalb auf das Capern von Passagieren ausgehen, welches ebenfalls von den Maklern besorgt wird. Dieses Geschäft ist für sie das einträglichste, da sie oft 20-30 Passagiere in die Comptoirs dieser Gesellschaften führen, um Fahrbillets nach allen Theilen der Vereinigten Staaten zu lösen, für welchen Dienst sie pro Kopf je nach Verhältniß einen halben oder einen ganzen Dollar erhalten. Einzelne Makler haben sich auf diese Weise schon ein hübsches Vermögen gesammelt, obschon die meisten von ihnen liederliche und arbeitsscheue Gesellen sind, welche in den Wintermonaten, in denen bei weitem weniger Einwanderer ankommen und ihr Verdienst daher sehr geschmälert ist, das wieder durchbringen, was sie im Sommer gesammelt haben.

Ihr Aeußeres ist großentheils anständig, um aus dem Anzuge nicht sogleich die Erbärmlichkeit ihres Geschäftes errathen zu lassen. Unerfahrene werden daher um so leichter getäuscht, da der erste Eindruck bei ihrem Erscheinen kein abstoßender ist. Der Ankömmling thut am besten, wenn er sogleich ein gutes Gast- oder Privathaus bezieht, da er dadurch der Pest entgeht, die ihn in der Person der Makler und betrügerischen Wirthe beständig verfolgt. Außerdem lebt man in der Stadt billiger, reinlicher und ruhiger. Die Wirthe am Hafen verlangen ohne Ausnahme für Kost und Logis 3 Dollars die Woche, während man in der Stadt für dieselbe, ja noch bessere Qualität nur 2½ Dollar bezahlt. Es versteht sich wohl von selbst, daß von Reinlichkeit in Häusern keine Rede seyn kann, die in verhältnißmäßig sehr beschränkten Räumen manchmal an einem Tage mehrere Hundert Personen mit Kisten und Kasten aufnehmen. Der damit verbundene Lärmen, der am frühen Morgen beginnt, um erst am späten Abend wieder aufzuhören, ist auch eine von den Annehmlichkeiten, auf die gewiß jeder Reisende gern Verzicht leistet!