Verzeih mir, daß ich dich mit mir betrog von dem Augenblick an, als ich mich selbst für jene andere verleugnete, die du gemeint hattest. Als ich tausendmal mein Ich für dich verlor, verlor ich das Beste an mir: die Treue an mich selbst.
Ich habe sie mir nicht halten können, aber dir habe ich alles gehalten, was ich dir versprochen, und noch mehr, das, was ich dir nicht versprochen hatte. Ich habe die ganze Unendlichkeit meiner Liebe an dich verschüttet, während du nur einige Fingerspitzen der deinen über mich ausstreutest. Ich verbrannte an meiner Hingabe, die mir alles war, du aber erloschst; denn für dich war sie nichts. Ich lebte in Anbetung und du lebtest von der Anbetung. Einer war Gott und einer war Beter.
Immer spartest du, wo ich mich völlig ausgab. Es gab kaum ein Gefühl, in dem ich dich allein ließ, und ich habe mich bemüht, dir nachzuwerden. Aber du kamst niemals dahin, wo ich mir selbst am dunkelsten war. Ich bin immer allein geblieben mit meinem Gefühl, das du aussetztest in die Welt und dessen Sehnsucht nach Erhörung schrie hinweg über die Zeit. Ich glaube, daß ich durch dich hindurchmußte, um mehr von mir zu wissen. Ja, vielleicht habe ich all diese Jahre nur auf mich gewartet.
Nun will ich von dir gehen, ehe es zu spät ist und ich nichts mehr mit meiner Freiheit anzufangen weiß. Ich will nicht warten, bis du dich noch mehr veränderst, nun, da du begonnen hast, mich in einem Kuß zu entkleiden und meine Liebe mit Worten zu versuchen.
Ich will ausruhen von der Qual des Rufens ohne Antwort und wieder da gefunden werden, wo es einzig möglich ist: bei Venera. Hier wird einer im anderen so stark werden, daß man nebeneinander stehen kann. Ich will heimfinden aus meiner Abtrünnigkeit, und wenn ich auch sieben Jahre um mich dienen müßte, um jene wieder zu finden, die ich vor dir war.
Auch an dir habe ich manches verändert, und darum sollst du zurückkehren zu dir, wie man heimkehrt zu seiner Mutter nach langer Reise durch seine Jünglings- und Manneszeit, und seine Kindheit unverändert und unberührt wiederfindet.
Ich danke dir noch einmal, Claudio, für den Traum. Ach, laß ihn mich noch einmal träumen! Ich will die Augen schließen, um dich deutlicher zu sehen. Tanz war die Berührung deiner Hände. Nie fühlte ich das Gitter des Regens und eigener Gefangenschaft. Da waren nicht zwei Lächeln, nicht zwei Küsse, die einander ähnlich waren. Laß mich ein letztes Mal in sie und auf die Insel deines Herzens flüchten. Meine Liebe umspannt dich noch einmal von Kopf zu Füßen wie eine Oktave. Den Weg, den du gehst, sollen Sonnen- und Mondblumen säumen, und paradiesische Schmetterlinge sollen vor dir Frühling tanzen.
Ich werde dir viele Jahre nachsehen auf diesem Wege, den du ohne mich weitergehst, und wenn du dich
einmal umsiehst, weil es dunkel wird, wird dir mein Lächeln wie ein Licht entgegenleuchten.
Ich küsse dein Herz ein letztes Mal.