Irgendwo in mir weint es, weine mit mir, Claudio . . . .
Als die fremde Stadt mir Claudio einen Tag lang auslieferte, habe ich dich gerächt, Ylone; denn er liebte mich noch. Ich spielte mit roten Worten. Ich hatte ja nicht nur seine Blindheit zu rächen, nein, vor allem, daß er dich genommen und uns beide gemeint hatte. Er machte es mir schwer. Er war sehr stark an diesem Tage. Mein Blut rauschte, so daß ich fürchtete, mein Gefühl für ihn könnte stärker sein als meine Rache. Ich klammerte mich fest an sie an. Ich schwieg. Er hätte sonst hören können, wie wenig es brauchte, damit ich wieder vor seinem Herzen lag. Aber er sah mich nicht knien; hinter künstlich gefrorenen Blicken. Blutblumen brachen auf und schlangen sich in die Tapete der Wand.
Mein Blick blühte sie nach, wie das Fieber den Mustern der Wände nachschleicht, um ferner von Claudio zu sein. Sterne fielen durch die Fenster und mein Herz lehnte an ihnen, schwer von Abend und Sehnsucht.
O qualvoller Übergang in die Nacht, mit der er tiefer und tiefer in mich hinabstieg! Ich litt. O, ich litt mehr als er, weil ich für uns beide litt. Da fiel mir rettend der Schlaf ein. Wir suchten unsere Zimmer. Ich begriff nicht, daß eine Treppe den Saal mit dem Schlaf verbinden konnte. Ich begriff die Treppe nicht, die mich trug; denn ich war so schwer.
Er schrie stundenlang in meine Nacht. Aber ich zog sie fest über mich. Seine Qual rüttelte an der Tür, die
zu ihr führte, und die Fackeln seines Zorns zuckten durch ihr Glas.
Ich habe dich gerächt, Ylone, während er nach mir schrie in der dreizehnten Stunde. Ich drückte meine Angst tief in mein Bett; denn bestand die Tür in Wirklichkeit?
Plötzlich kroch durch die Nacht ein Blatt langsam unter der Tür auf mich zu. Ein Blatt des Aufruhrs, Stücke waren herausgeschnitten, wieder zurückgenommen, weil sie ihm zu stark erschienen. Die Buchstaben schrien durcheinander und warfen sich gequält über das Papier. Er schrieb:
„Höre, Venera, ich weiß, daß du schon lange diese Rache suchst. Bisher war sie dir nur noch zu leicht erschienen. Ich hätte wissen müssen, daß diese Nacht in meiner Niederlage enden werde. Und doch, Venera, ich will lieber deinen Haß, wenn ich deine Liebe nicht haben kann. Mußt du euch beide rächen? O, tue es nicht mit dem schmerzlichen Pathos der Distanz! Freilich, ich habe auch dich in ihr geschändet. Ihr seid eine Einheit, und ich hätte euch niemals trennen dürfen, weil ihr euch nur zusammen geben könnt. Du bist hart zu mir und dir, Venera, weil ich dir zumutete, das zu übersehen. O, wie war ich plump, als ich das Geheimnis eures Körpers mit dem eurer Seelen verwechselte! Und wie habe ich gelogen, indem ich euch auseinander riß!
Venera, du hast recht, euch zu rächen, du hast tausendmal recht. Aber ich kann euch nicht ganz verlieren! Gib mich mir selber und der Erinnerung zurück; ich will nicht mehr als das: Berühre mein Herz und verzeih! So warte ich auf den Morgen.“ Ylone, begreifst du, daß ich die Rache, die ich dir