Wir wollen jubelnd zusammen ins nächste Dasein gehen, wie in ein Fest. Sterben ist ja nur Übergang, ein kurzer Verzicht, eine kleine Veränderung bis zur nächsten Auferstehung — und die wird unser sein, Geliebte!“ —
„Johannes“ sang mein Herz. Ich flog ihm zu, verschüttete ihn mit Umarmung.
Seine Hand liebte zart mein aufgeregtes Gesicht. Da erfaßte mich maßlose Gier nach dieser Hand. Ich riß sie vor meinen Mund und küßte sie schluchzend, verbrennend, als wäre Feuer in mir.
„Johannes“, rief ich unzählige Male und schmeckte seinen Namen nach wie Wein. Er spannte die Arme auf und ich ruhte an ihm, eine Verirrte, die man endlich gefunden hat.
Johannes hatte ein ganz neues, entschlossenes Gesicht an.
Wir verstürzten in eins. Zum erstenmal rissen wir uns auf voreinander. Blut überwältigte uns, Bekenntnisse
schäumten auf. Ich beichtete die dunkelroten, flehenden Nächte vor seiner Tür. Johannes bog mich jauchzend in sich, so daß ich nur noch Zittern in seinen Händen war.
„Willst du die letzte, äußerste Nacht mit mir, Geliebte?“ stammelte er. Ich tauchte meinen Mund noch tiefer in den seinen und sagte mit fliehender Stimme: „Keiner soll von mir wissen außer dir und dem Tod. Wir werden an zu viel Liebe sterben, es gibt keine Umkehr, keinen anderen Ausweg aus unserem Schicksal.“
Meine Augen glühten den Geliebten an. „Warte mit der Dunkelheit auf mich,“ sang ich ihm zu und verließ ihn, um mich für ihn zu weihen.
Noch eine Nacht, in der wir alles von der Erde und alles von Gott erfahren werden! Eine Nacht letzter Offenbarungen! Dann beginnt meine Himmelfahrt in dir, Johannes! Mein Heiliger!