»Durchaus nicht, Sie müssen doch, wenn Sie so vieles verlangen, etwas bieten können.«

»Ich? – na, ich heirathe sie doch! Sie ist doch ihr lebtag versorgt.«

»Wenn die Dame Vermögen bringen und arbeiten soll u. s. w., so könnte sie sich doch mit diesen hübschen Eigenschaften recht fidel selbst »versorgen«.« (»Versorgen« im Sinne der heutigen Männer heißt gewöhnlich mit Sorgen überschütten.)

»Na, wissen Sie, Gnädigste, bei solchen Auffassungen würden die meisten Mädchen alte Jungf...« er sah ängstlich nach meiner Hand.

»Früher, mein Herr, hat man »alte Jungfer« im verächtlichen Sinne gesagt. Heute – nun erst beginnt man das Symbol des Eheringes zu verstehen!

Die Hand ohne Ring ist das Freizeichen. Die »alte Jungfer« lebt nicht mehr. Heut ist die Unverheirathete die Freifrau, die unabhängig von einem Haustyrannen ihren Weg macht. – Die Hand mit dem Ringe aber sagt: Ergeben auf Gnade und Ungnade. Bitte, mein Herr, sagen Sie mir, wessen Loos ist besser, das der »Freien« oder der »Gebundenen«?«

Der Mann verlangt von der Frau alles. Sie soll ihm Kinder geben, ihm dienen, kochen, sparen, helfen, wo immer sein, im Geschäft, Bureau, Werkstätte u. s. w. Er selbst aber ist eben entweder nur Fachmann, oder mit einem Worte Verdiener. Sie aber soll universell sein. – – –

Von der großen Masse Ausnahme-Männer, die Würde genug besitzen, sich ihr Haus selbst zu gründen und es pflichtgemäß auch selbst zu erhalten, hört man oft bewunderungsvoll sagen: »er hat sich ein armes Mädchen geheirathet!«

Erstens: Ist denn eine Menschenseele absolut nichts werth? Und besitzt die Frau an sich nicht schon all die Eigenschaften, die der Mann absolut gebraucht? Sie bezahlt mit ihrem ganzen Sein schon genug Entrée für den Eintritt in das zweifelhafte Glücksinstitut der Ehe. Der Mann sollte mal nachrechnen, was er zu bezahlen hätte, wenn er nicht verheirathet wäre! Da kommt erst: Ein sogenanntes Verhältnis, das Geld kostet. Eine Wirthschafterin, die hoch bezahlt wird, und die lange nicht so rechnet, als eine Frau, die ihre eigenen Interessen vertritt. Eine Ausbesserin der Wäsche und Garderobe und diverse Vereine, in denen er seine freie Zeit verbringt, weil er kein eigenes Haus besitzt. Kurz – man sieht, der Mann ist viel besser in der Ehe »versorgt«, als die Frau, die die größeren Lasten übernommen! –

Zu den weiteren naiven Eigenschaften der Herrn Männer gehört auch die, ihre Untugenden auf Rechnung der Weiber zu setzen.