Nun geben sich eine ganze Masse kreuzbraver Männer, die ihr Lebtag nichts Böses thun könnten, für Herzensbrecher u. s. w. aus und renommieren mit Unthaten, die ihr ästhetisches Gefühl schon nicht zuließe, um »männlich« zu erscheinen. Was für Lob für die Allgemeinheit hierin liegt, kann sich ein Jeder wohl ausmalen! –

Die Neuzeit hat noch eine Art Männer herangebildet: Rhetoriker.

Am allerschlimmsten ergeht es denjenigen Frauen, die jene Sorte von Maulhelden geheirathet haben. Ganz besonders wenn sie in politischen Versammlungen von gleichen Rechten faseln, um sich dort Weihrauch zu streuen. Sie haben erwiesener Maßen weder Herz für ihre Familie noch Verstand genug, irgend Jemanden zu beglücken. Ihre erheuchelte allgemeine Menschenliebe ist nichts weiter als die Sucht, sich bewundern zu lassen, als die geistige Koketterie, sich reden zu hören, denn in Wirklichkeit lieben die »Volksbeglücker« einzig und allein nur sich selbst und sind im eigenen Hause der rasende Roland. Von dem Elend der Ehefrauen, die sich durch die Zungen-Gymnastik der »Beglücker«, der »Kämpfer für Freiheit und Recht«, haben bethören lassen, ist nicht zu erzählen.

Man versetze sich in die Lage einer Frau, die ihren Gatten salbungsvoll der »Menge« predigen hört, wobei er in Ethik überfließt und in Achtsamkeit und Ehrlichkeit einzig dasteht, und die genau weiß, daß seine Handlungsweisen dem entgegen laufen, und daß er alle die Laster und Untugenden, die er öffentlich beklagt und verwirft, im hohen Maße selbst besitzt! Im Hause »rettet, rennet, flüchtet« alles, wenn er sich zeigt, weil man ihn fürchtet, »draußen« ist er ein Mann der Humanität, ein Engel ohne Flügel, der herabgekommen, um dem Unterdrückten zu seinem Rechte zu verhelfen.

Ist das alles nicht werth, aufgezeichnet zu werden? Vielleicht halten unsere Herren einmal Selbsteinkehr und sie werden nicht zu kurz dabei kommen.

Eine Ungerechtigkeit, an der allerdings der Mann nicht schuld ist – die sich aus unserer gesellschaftlichen Lage ergiebt – ist es auch, daß des Weibes Stellung vom Manne bedingt wird.

So kommt es, daß eine zur Gräfin erhobene Magd mehr gilt, als eine vollendete Dame, die einen in bescheidenen Verhältnissen lebenden Mann geheirathet hat.

Die Frau fällt oder steigt durch die Heirath, dem Manne läßt man Rang und Würde, er mag wählen, wie es auch sei.

Warum kann sich das Weib ihre Stellung nicht selbst bestimmen, wenn sie die Fähigkeit dazu besitzt? – Unsere Frauen aber sind – besonders in kleinbürgerlichen Kreisen – sehr gern geneigt, in dem Manne »aufzugehen«.

Es ist fast lächerlich, wie viel manche Damen auf Titulatur geben. Der ärgste Schuft, der neben der Schufterei noch etwas gelernt hat (Schufte sind fast immer intelligent zum Nachtheil ihrer Mitmenschen), hat, sobald er einen »Rang« bekleidet, Chancen, denn Fräulein Soundso drückt gelegentlich mal ein Auge zu, bei der fraglichen Moralität ihres Zukünftigen, wenn sie von da ab Frau Ober-Soundso sich nennen kann.