Man beobachte mal die Kaffee- und sonstigen Gesellschaften, in denen die Vorstellungen ja eine so wichtige Rolle spielen! Vor allem liebt es die Wirthin, mit ihren Eingeladenen zu glänzen. Oftmals mit der größten Nichtachtung vor der Person, die sich zufällig emporgeheirathet hat, im Herzen, ruft sie – wenn volltönend – mit gehobener Stimme deren Aushängeschild aus.
Putzig war es, als eine Dame ein Fräulein Dr. ph. einer Appellationsgerichtsräthin vorstellte. Der Tonfall besorgte alles! »Frau Ober–appellations–gerichts–räthin ....« Einige Töne tiefer: »Fräulein Dr. S.«
Die hübschen Augen der Philosophin lachten mich an.
»Ja, was wollen Sie,« tröstete ich, »Sie haben nur sechs Buchstaben vor Ihrem Namen, die Sie sich noch dazu mühselig erarbeiten mußten, und diese Dame stolzirt mit 26 solcher herum, die ein anderer auf ihr vergoldetes Schild getragen!« – Und die Titelsucht ist nicht nur in den Kreisen des Scheins, sie reicht bis zur Frau Ober-Straßenfegerin hinab.
So kommt es also, daß die socialen Verhältnisse die Frauen dahin bringen, daß sie mit ihren Männern prahlen, obwohl sie vielfach wissen, daß sie dem Charakter nach mehr sind, als diese.
Gradezu »gefährlich« – im komischen Sinne, sind auch diejenigen Männer, die von ihren Frauen »nicht verstanden« werden.
Ich kannte ein Ehepaar, wo der Mann freilich diverse Vocabeln mehr wußte, als die Frau, der auch dickbändige wissenschaftliche Werke geschrieben und Forschungsreisen gemacht hatte. Aber seiner Frau gesunder Menschenverstand und ihr köstlicher Humor standen doch turmhoch über seiner griesgrämigen Gelehrsamkeit, und doch war sein ewiges Seufzen: »Dieses Weib ist nicht bedeutend genug, meine Bedeutung zu verstehen!« Als er sich aber einmal in die Tinte hineingeritten hatte, war »dieses Weib« bedeutend genug, der Geschichte eine andere Wendung zu geben, und in den Tagen der Noth war sie »das treue Weib«, seine »Stütze«, sein »Halt«. Die ganze verkrochene Feigheit des »bedeutenden Mannes« trat hier grell zu Tage.
Das sind so komische Figuren, Kleinigkeiten, die charakterisiren helfen, etwa wie die Momentaufnahmen auf den Straßen, wo wir jetzt auch Gigerl, als Zärtlichkeits-Aeußerungen, auf den Arm junger Mädchen gestützt, sehen. Früher führte sehr galant der Ritter seine Dame, die Frau stützte sich auf den Mann. Heute lassen sich die Männer von jungen Mädchen führen. Symbolisch gar nicht übel! –
Und nun – das ist ein Punkt, der mir auf der Seele brennt! Ist es wirklich ein Fortschritt der Cultur, daß das Vaterrecht herrscht? – Ich glaube der Irokese, der im Urzustande nach seinem Herzen das Mutterrecht gelten ließ, war weiter wie wir; dem Weibe gehörte das Kind, das sie trägt, gebärt. Es ist ihr Fleisch, ihr Blut und ihr Geist. Am besten kann man diese Wahrheit bei denjenigen beobachten, die außerehelich geboren haben.
Beim schlechtesten Weibe dringt selbst in der verzweifeltsten Situation das Muttergefühl durch. Sie bringt ein Kind zur Welt in Schimpf und Schande, in Noth und Elend. Und doch, in Lumpen gehüllt, trägt sie es am Herzen mit sich herum. Der Vater? – oft weiß er überhaupt nicht, daß er ein solcher ist!!