so wie ich sie verstanden habe.
Ihr, meine Freunde, wißt, daß ich nicht ungerecht, noch weniger gehässig bin, und Ihr werdet mir beistimmen, daß die guten Männer nur Ausnahmen sind, denn Ihr kennt die Welt so gut wie ich. Ihr werdet mich auch nicht für den Fuchs halten, dem die Trauben sauer sind – Ihr wißt ja, daß es nicht so ist.
Zu den Fremden, die meine Schrift lesen, sage ich: Wenn Ihr brav seid, braucht Euch dieselbe nicht zu alteriren, denn Euch klagt sie nicht an. Könnt Ihr Euch aber getroffen fühlen – so schießt nur los, Eure Pfeile werden mich nicht verwunden.
Leipzig, im November 1897.
Clara Schott.
Männlich-sittlich.
| Männlich-sittlich heißt mit Würde |
| Tragen seiner Fehler Bürde: |
| Bummeln, rauchen, Unfug treiben, |
| Renommiren, schuldig bleiben. |
| Trinken, bis nicht Kopf, noch Magen |
| Können länger es vertragen, |
| Was nicht immer appetitlich, |
| Das ist alles männlich-sittlich. |
| Heimlich zu der Liebsten gehen, |
| Doch auf Zucht bei Andern sehen |
| Und im Hause unerbittlich – |
| Das ist alles männlich-sittlich. |
| Ferner noch gehört das Spielen |
| Zu den männlich-ernsten Zielen, – |
| Ei, was kann es Schön'res geben, |
| Als so männlich-sittlich leben! |
| Thusnelda Vortmann. |
Es ist wirklich sehr freundlich, das Publikum von heute. Wie viel Jahre läßt es sich nicht schon in allen Schreibarten, in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Broschüren u. s. w. die Frauenfrage gefallen?
Immer und immer, von vorn und rückwärts gelesen, das Gleiche: Studentin – Arbeiterin – Dienerin – lauter unverheirathete Frauen.
Und doch ist es nur eine Frage, an der das Weib hauptsächlich krankt: es ist nicht die Brotfrage, sondern die – Männerfrage!