Wie kommt es, daß sie bisher unaufgeworfen geblieben? Aus Respect? – Aus allgemeiner Zufriedenheit mit dem Ewig-Männlichen?
Oder – »und begehre nimmer und nimmer zu schauen, ....... u. s. w.«? – – – Ich glaube, der letztere Umstand hat viel dazu beigetragen.
Der Schriftsteller »studirt« das Weib, das er als ewiges Räthsel hinstellt. Er giebt vor, ihre Psyche zu belauschen, und was dabei heraus kommt, erzählen die vielen Cocotten-Romane, die in den letzten Jahren durch die Jungdeutschen in die Mode gekommen sind.
Die Schriftstellerin kann nicht belauschen, nicht »studiren«, aber sie vermag scharf zu beobachten und Erfahrungen zu sammeln. Und diese, gewissenhaft von Vorurtheilen getrennt, wiedergegeben, sind werth als Spiegelbild unserer heutigen »Ritter von der traurigen Gestalt« zu gelten. Sie sieht den Mann nicht als Räthsel an, sondern als das brutale Product seiner Erziehung, und als ein Wesen, das sich mit eingebildeter Uebermacht hochstellt und alle Rechte für sich beansprucht. Mit welchem gedankenlosen Selbstbewußtsein beansprucht, das wollen wir nachstehend illustriren. Wir geben reine Thatsachen, lassen alles Dichterische bei Seite und versuchen nicht mal zu retouchiren. – – –
Unsere Frauenrechtlerinnen sagen: wir sind im Nachtheil gegen die Männer, und bringen das Arbeitsgebiet – auf das hier Hauptgewicht gelegt wird – in den Vordergrund. Das »Ich bin« und »Ich werde sein« – gewiß, es ist ein Feld, das sich als breites Terrain abgaloppiren läßt. Allein, wer schützt das verheirathete Weib vor ihrem natürlichen Beschützer?
| »Oft sind ja die Männer |
| Charmant und galant |
| Und reichen uns Frauen |
| Den Arm und die Hand. |
| Sie sagen, wir sollen |
| Uns stützen auf sie, |
| Das sei dann die richt'ge |
| Weltharmonie. |
| Doch wenn wir sie rufen |
| Uns Stützen zu sein, |
| Sie lassen uns frierend |
| Und hungernd allein. |
| Selbst brauchen die Retter |
| Ihr Geld, ihre Ruh, |
| Die süßesten Freuden |
| Des Lebens dazu. |
| Verlaß dich auf Keinen, |
| Nur schau, nimmer trau, |
| Und brauch' keinen Schützer, |
| Denn selbst ist die Frau!« – |
Des Weibes Vortheil liegt nicht im Wettkampf mit dem Manne, noch weniger liegt darin ihre Glückseligkeit. – Diese kann nur gewonnen werden, durch die Selbständigkeit des Characters.
Die Frau soll dem Manne nicht die Peitsche aus der Hand nehmen, aber sie lasse ihn die Sporen fühlen. Ich meine nicht das Pantoffelheldenthum, das den Mann zur Memme herabwürdigt; aber was den Frauen fehlt, – das ist das würdevolle Selbstbewußtsein des Menschen.
Nur zu oft geht im Weibe der Mensch unter. Unsere Bräute, unsere Frauen – was beanspruchen sie? Das ekelhafte »Beglücktsein«, dem Erwählten des Herzens »dienen« zu können – es breitet einen blumenhaften Teppich vor dem »Herrlichen« aus, und vor ihm kniet das Weib mit erhobenen Händen: »Herr, was befiehlst du?«
Was? – o, schrecklich viel!