Die Naivetät – wir wollen keinen härteren Ausdruck wählen – der Männer im Fordern und Herrschen ist von fabelhafter Keckheit. Der kleine Bruder »befiehlt« der kleinen Schwester, ihm mal die Puppe zu geben, die er ihr zerbricht. Weint sie, schlägt er einfach auf sie los, denn sie ist ja »nur« ein Mädel. Die größte Beleidigung für den kleinen Knirps ist, wenn er gelegentlich mal für ein Mädel gehalten wird. Wird er größer, so äußert sich sein Ritterthum darin, daß er nun »schon« Schulmädels »abdrischt«. Dann kommen die Flegeljahre, in die die meisten Männer wieder zurückkommen, wenn sie verheirathet sind.

Jetzt haben wir die Studien- und Lehrjahre. Vor allem ist das Studentenleben der Beleuchtung werth.

»Was studieren Sie denn?« fragte ich einmal einen jungen Herrn.

»Die Lumperei!« war die ehrliche Antwort.

Die Lumperei! Je toller sie es dabei treiben, je »fescher« werden sie bezeichnet. Gradezu ekelhaft ist es, daß unsere Witzblätter mit Studentenstreichen angefüllt sind und solche bei den jungen Leuten fast provoziren. Was für Witz liegt denn darin, Schulden zu machen, übermäßig zu trinken und Mädchen zu verführen? – Ich setze den Fall, ein junger Kaufmann, oder Handwerker, mache fortwährend Schulden, kneipe, arbeite nicht und treibe allerlei Schabernack. Dann heißt es: »ein Taugenichts«, ein »verbummelter Mensch«, »arbeitsscheu«, »betrügerisch« u. s. w. Hier aber ist es – weil es »sich ziemt«, auch »erlaubt«. Man hängt dem »Burschenschafter« ein buntes Bändchen um und läßt ihn laufen.

Bei Aufzügen und Commersen sehe man sich die »alten Herren« in Cerevis und diversen Abzeichen an. Was würde man wohl sagen, wenn »alte Damen« also markiert und frankiert herum laufen würden? – –

Daneben gehen das schneidige Offizierchen, die Einjährigen, die Kaufleute, Beamte aller Arten, die alle um das »ewige Räthsel« herumflattern, es zu »erlösen« meinen, und so sich selber zu Liebe das Weib anbeten.

Und das Weib? – Es sollte sich doch mal klar werden, was so die landläufige »Liebe« bedeutet, was so ihre »Ideale« eigentlich sind, an die sie ihre Gefühle und ihr junges Leben verschwenden! Wie viele blühende Gestalten sind nicht schon am »Amüsement« des Mannes zu grunde gegangen?! –

Haben sie dann genug hofiert, geschwärmt, Herzen gebrochen u. s. w., dann gelangen sie in das Stadium der Heirathskandidatur.

Hier giebt es eine Unmasse von Kategorien.