Vier Wochen nach der Hochzeit:
»Möchtest Du nicht wieder etwas schreiben, Herzchen? – Es ist nämlich, Du weißt, wenn eine Künstlerin vergessen wird, das thut nicht gut.«
Das sieht sie ein. Und noch mehr sieht sie ein! Der Schuft hat sie gefangen, und nun heißt es arbeiten, um all die Schulden, die das Hauswesen hervorgerufen, zu bezahlen.
Sie gleicht sich nicht mehr, sie ist blos noch eine Schreibmaschine im Hause.
Es kommt ein Quartal, wo die Miethe nicht bezahlt werden kann. Die Verleger sind nicht pünktlich, sie schreibt und schreibt um Geld – keine Antwort. Da erbietet sich der Edle, ihr Mann, die »natürliche Stütze«, für sie einzutreten. Wie gut, wenn man verheirathet ist!! Vor einem Mann hat man doch ganz anderen Respekt. – Schon darauf bauend, reist er nach S. und erhält sogleich 500 Mark ausgezahlt.
Natürlich sendet er ihr ein Telegramm, damit sie daheim von der Sorge befreit ist, setzt sich auf die Bahn und fährt über Leipzig nach Hause. In rosiger Stimmung natürlich, er hat ja Geld!
Hier trifft man ein paar Freunde, mit denen man ausgeht, und auch ein paar hübsche Pflänzchen. Die eine ist reizend und findet so viel Gefallen an dem auf Reisen geschickten Ehemann, daß sie es unverhohlen zeigt. Und wenn ein Mann gefällt, bei der angeborenen Eitelkeit, dann kommt sehr schnell die angeborene Untreue hinzu.
Der Edle vergißt seine Frau und kauft für deren sauer verdientes Geld einen Schmuck für die Dirne. Allerdings amüsiert er sich dafür prächtig, und das ist doch auch etwas werth! – Soll ich noch aus höheren Kreisen Copien bringen, oder soll ich herabsteigen in die einfachste Klasse, wo die Sparkassenbücher eine rührselige Rolle spielen – – – »und begehre nimmer und nimmer zu schauen« ....
Nun giebt es noch eine liebliche Sorte – Verlobungsschwindler, die gegen freie Kost und Logis frisch drauf loslieben. Und zwar so lange, als es ihnen dienlich erscheint. Dann untergraben sie in irgend welcher Weise den guten Ruf der Braut, damit die »Welt« ihren Rücktritt nicht etwa verdamme – so etwas könnte bei der nächsten Parthie schaden –, und verschwinden.
In einer Berliner Zeitung hieß es einmal: ein hoffnungsvoller Jüngling sei auf drei Stellen zu gleicher Zeit »verlobt« gewesen. Bei den »Schwiegereltern« der ersten Braut wohnte er, bei der zweiten Braut, einer Schneiderin, aß er, und der dritten, einer Putzmacherin, nahm er ihr Geld ab, mit der Weisung, dafür wolle er ein Geschäft kaufen.