Dem Vater hatte sie nur gesagt, daß es ihr ganz lieb wäre, den Seckersdorf so bald zu treffen, und dann das Gespräch selbst wieder auf Gertrud gebracht. Es war ja an so vieles zu denken, sie hatten sich gegenseitig auch das Herz über das Aussehen und das müde, schlaffe Wesen der armen Frau auszuschütten, auf Kurowski zu schelten, seinen schillernden, unzuverlässigen Charakter zu zergliedern und schließlich immer wieder zu der Frage zurückzukehren: »Die arme Gertrud, – was wird das nur werden?«
Dabei gingen sie rüstig zu und kamen endlich auch zu der Lichtung, an deren Rand ein Dutzend alte Eichen »hingerichtet« wurden, wie Maggie sagte.
Die Leute grüßten, der Aufseher trat heran. Und von drüben, der entgegengesetzten Seite her, wo er sein Pferd geführt hatte, kam Hans Seckersdorf herüber. Maggie erkannte ihn auf den ersten Blick.
Nun stand ihr doch das Herz still.
Also dieses Mannes Schicksal wollte sie lenken. Sie hatte Zeit, ihn zu mustern, während er über die Wiese kam, dem Vater entgegen, der mit lautem Gruß auf ihn zuschritt.
Er war sehr groß, schlanker, als sie ihn in der Uniform in Erinnerung hatte; er trug den verhältnismäßig kleinen Kopf hoch, war etwas steif in den Bewegungen. Das Gesicht, regelmäßig wie eine Marsmaske, mit aschblondem Schnurrbart, darunter ein weiches Kinn. Das Ganze beherrscht von ein paar blauen Augen unter breiten Lidern, eigentümlich still und fest blickend, – alles in allem ein Mann, an dem man nicht so leicht vorübergehen konnte.
Nun machte auch Maggie ein paar Schritte vorwärts. Leuchtend in den Farben, Jugendfrische und Kraft atmend, trat sie ihm entgegen, streckte unbefangen die Hand aus und rief dem alten Bekannten, ihrem »allerersten Tänzer«, ein frohes Willkommen entgegen.
»Papa sagte mir, daß wir Sie hier treffen würden, und ich habe mich recht gefreut.«
Er drückte ihr die Hand und sprach von freudiger Überraschung; dabei musterte er sie aber halb suchend, halb verlegen.
Maggie dachte an Gertrud und was sie nun sagen sollte. Las er ihr das an den Augen ab? Er sah sie wirklich ganz eigentümlich an, – bittend und forschend und unruhig zugleich. Oder bildete sie sich das alles ein? Fast schien es so.