Wenn sie so diesen Gedanken folgte, sie weiter ausspann, erschrak sie zuletzt. Denn das Ende war jedesmal, daß sie sich sagte: »Eigentlich wäre jeder der beiden Männer, Kurowski wie Seckersdorf, gerade der Mann für mich, und nun hält Gertrud alle beide. Dafür hab' ich sie aber auch lieb und will sie glücklich machen,« beruhigte sie sich dann. »Sonst ...«

Übrigens kühlte sich ihre große Liebe für Gertrud ein wenig ab. Es lag schließlich doch in Gertruds Art etwas Beschränktheit. Warum hatte sie sich ihr Leben auf dem prachtvollen Laukischken nicht eingerichtet, im Winter in Berlin, Paris oder Rom? Wenn nicht mit, dann ohne ihren Mann? Sie hatte schließlich doch nicht darauf rechnen können, daß Seckersdorf ihr nach acht Jahren mit Hundetreue wieder begegnen würde.

Diese ganze Empfindsamkeit war eigentlich Blödsinn. Aber da sie nun einmal die Leitung in dieser Komödie übernommen hatte, sollte auch nach ihrem Willen gespielt werden.

Darüber kam nun der Sonntag heran, an dem in Waldlack getanzt werden sollte. Gertrud blieb natürlich zu Hause, hätte aber die Schwester gern so glänzend als möglich herausgeputzt. Maggie wollte nicht. Sie mochte nicht anders erscheinen, als ihren Verhältnissen entsprach. Und als sie dann in ihrem einfachen blaßblauen Kleidchen herunterkam, nur ein paar frische Rosen von Fräulein Perls selbstgezogenem Rosenbusch an der Brust, gab Gertrud ihr Recht. Frischer und lieblicher hätte sie in dem kostbarsten Staat nicht aussehen können, meinte sie, und alt und jung müßte sich in sie verlieben.

»Und wenn Seckersdorf das täte?« fragte Maggie lachend, aber mit einer kleinen, innerlichen Bitterkeit.

Gertrud lächelte dazu und sagte: »Der ist ja nicht mehr frei, – aber alle anderen.«

Diese Zuversicht! Doch Gertrud hatte sicherlich recht. Mit diesem und ähnlichen Gedanken beschäftigte sich Maggie auf dem Wege nach Waldlack, den sie, gut eingehüllt, im Halbwagen mit dem Vater zurücklegte.

Die Waldlacker Tanzgesellschaft war immer die Einleitung der Wintervergnügungen des Kreises. Alt und jung freute sich darauf; denn das Waldlacker Haus hatte den ausgedehntesten Umgang, konnte eine Menge Logierbesuch beherbergen und darum auch Gäste von weit her bei sich sehen.

Die Waldlacker waren außerdem reich, führten den Haushalt in großem Stil und sorgten dafür, daß die Saisonneuerungen, die in Berlin für notwendig erklärt worden waren, in ihrem Kreise eingeführt wurden.

Der Gedanke daran fuhr Maggie durch den Kopf, als der Wagen vor der Terrasse hielt. »Ach, für mich gibt's heute ja nur Seckersdorf!« dachte sie aber gleich, halb gespannt, halb widerwillig weiter.