»Gewiß. Zwischen uns ist Ehrlichkeit doch die erste Bedingung.«
Er nickte und sagte etwas verlegen: »Ich dachte, wie ich eines Abends vor neun Jahren mit ein paar Kameraden hier stand, – und aus der Damengarderobe trat Ihre Schwester heraus, wie Sie heute.«
»Ich besinne mich zufällig auf den Abend auch,« antwortete Maggie nachdenklich. »Ich war so neidisch auf Gertrud und bewunderte sie so. Sie trug ein weißes Kleid mit Silber durchwebt.«
»Ja, ja!« bestätigte er. »Damals war hier alles mit Tannen hergerichtet und eine Art künstliches Mondlicht geschaffen. Keiner von uns hatte Ihr Fräulein – Ihre Frau Schwester noch gesehen. Und wie sie da allein herauskam und sich nach dem Herrn Vater umsah ... Wir standen alle ganz starr ... So etwas Schönes hatte man überhaupt noch nie erblickt.«
In Maggie erhob sich etwas wie der Neid von damals.
Sie waren an der Türe des Empfangszimmers.
»Darf ich mir den Kotillon sichern?« bat Seckersdorf.
Maggie bejahte freundlich, und begrüßte die Wirte, die ihr besonders gewogen waren.
Frau von Bork, eine große, schlanke, tadellos angezogene Dame, mit ein klein wenig aus der Jugend übriggebliebenem Hoftick, fand noch Zeit, ihr zu sagen, daß sie ihr Seckersdorf als Tischherr zugedacht hatte.
Maggie verschwieg, daß sie auch den Kotillon mit ihm tanzen würde. »Wenn es sich nicht um Gertrud handelte,« dachte sie, am Arme des Hausherrn in den Tanzsaal gehend, »welche Gelegenheit für mich selbst!«