Sie suchte Maggie auf und schmiegte sich an sie. »Liebes, liebes Kind!« sagte sie. »Mir ist in meiner selbstsüchtigen Verblendung ja gar nicht eingefallen, wie sehr ich dir schade. Um Gottes willen ... Papa erwartet ja eine Bewerbung Seckersdorfs und glaubt, daß ich allein im Wege bin?«

Maggie machte sich los und sah schweigend zum Fenster hinaus.

Der Wald lag im Schnee ... Weicher grauer Duft schloß die Ferne ab; alles rückte nah, schmerzhaft nah.

»Maggie, was ist's?« fragte Gertrud ängstlich.

»Dumm und verdreht ist das alles!« sagte sie. »Ich bin in einer Mausefalle. Aus dir ist nicht klug zu werden. Du bandelst mit Seckersdorf an, man muß an einen furchtbaren Ernst bei euch beiden glauben, – und dann hast du dich mit den Kindern, als ob du gar nicht daran dächtest, sie aufzugeben, und er läßt nichts mehr von sich hören. Und ... und ... Papa hat recht ... Mir entgeht vielleicht die beste Chance meines Lebens ...«

Da war's heraus. Es hatte ihr fast das Herz abgedrückt. Tagaus, tagein hatte sie sich damit abgequält und zuletzt gar nicht mehr versucht, ihre Wünsche zu beherrschen. Sie malte sich immer nur aus, wie alles anders sein würde, wenn sie, ungehemmt durch diese unbequeme Jugenderinnerung der beiden, mit Seckersdorf hätte verkehren können, und so kam sie eines Tages schließlich dazu, sich zu sagen: »Versuche was du vermagst! Gertrud hat ihr Teil. Sie hat verspielt und muß eben zufrieden sein. Und dann bleiben ihr ja die Kinder!«

Sie machte sich auch die Schwierigkeiten klar, die sie zu überwinden haben würde, wenn sie wirklich für sich ernst machen wollte. Dabei geriet sie in ein Phantasieren über Liebe und Treue, über Zusammengehörigkeit zweier Menschen, über die stille Festigkeit und den Blick Seckersdorfs, wenn er an Gertrud dachte und an tausend Dinge, die damit zusammenhingen und die bisher für sie nicht auf der Welt gewesen waren. Das machte sie zornig und krank, das weckte den Wunsch in ihr, derbe, harte Worte zu hören oder zu sagen, vor allem aber den, diese Gertrud, die ganz ruhig zusehen wollte, wie man ihr ein unerhörtes Glück aufbaute, die schon unerträglich siegesgewiß lächelte, diese Gertrud, die ihr mit einem Male so fremd geworden war, zu kränken, zu verletzen, mitten ins Herz zu treffen.

War ihr das nun gelungen?

Gertrud stand ganz blaß da und sah sie erschreckt und mitleidig an.

»Arme Maggie!« sagte sie. »Das ist ja ein furchtbares Unglück.«