Gertrud sah mit brennenden Augen zu.
Als sie gingen, nickte Maggie ihr nur ganz flüchtig zu, und der Vater reichte ihr kaum die Hand. Wie war das vor drei Wochen anders gewesen, und wie hatte es so kommen können?
Angstvoll und gedemütigt sah sie den beiden nach, wie sie in den Waldweg einbogen. Maggies klare, laute Stimme schallte deutlich zu ihr herüber, und sie glaubte den geliebten Namen zu verstehen.
»Ich will nicht daran denken!« nahm sie sich vor und trocknete sich die feuchte Stirn. »Wenn sie wüßte, wie sie mich quält! Und nützen wird es ihr doch nichts. Er ist Schöneren und Besseren in der Welt begegnet, die langen acht Jahre hindurch, und ist mir doch gut geblieben.«
Damit tröstete sie sich und ging an ihre täglichen Beschäftigungen.
Der Oberförster und Maggie kamen unterdessen tüchtig vorwärts.
Es war ein Vergnügen, so zu wandern. Der November schien sich in einen Frühlingsmonat verwandelt zu haben. Ein weicher bläulicher Duft umschmiegte die Baumwipfel, die Sonne warf hier und da einen warmen, rötlichen Schein durch das graue Gewölk, Haubenlerchen trieben sich in den Wagengleisen zwitschernd umher, und in der Luft tummelten sich Krähen in dichten Scharen.
Der Oberförster pfiff den Dessauer Marsch. Er war gut gelaunt.
»Und nun sag' mal, Maggie,« fing er nach einem längeren Schweigen an, »was machen wir mit der Gertrud?«
»Ja, Papa,« erwiderte Maggie zögernd, »ich wollte längst mit dir darüber reden. Ich sprech es nicht gern aus, aber es ist doch wohl besser, ich tu's ... Die Gertrud hat sich den Seckersdorf in den Kopf gesetzt.«