Maggie sah ihn fest an. »Bitte, warum nicht aussprechen, was man empfindet? Hätte Gertrud damals den Mut der Offenheit gehabt, wäre sie nicht in ihr Unglück gerannt.«

Der Oberförster wußte nicht, was er mit seiner Tochter anfangen sollte. Im Grunde hatte sie recht, und die beste Lösung wäre es, wenn ihr Plan ihr gelänge und sie sich Seckersdorf gewann; aber daß sie ihn in die Intrige verwickelte, ihn gewissermaßen zum Mitschuldigen gegen Gertrud machte, obgleich diese ihm ja genug Kopfschmerzen verursachte, das empörte ihn, und die Bewunderung für das kaltblütige, zielbewußte Vorgehen Maggies hinderte nicht, daß er sie für ein herzloses, unleidliches Geschöpf ansah. Also mochte sie ihre eigenen Wege gehen, ihn aber aus dem Spiele lassen.

»Kein Wort will ich weiter hören – kein Wort!« schalt er. »Und heute kommst du zum letzten Male mit und triffst auf diese Art den Seckersdorf überhaupt nicht mehr. Ich bin ein ehrlicher Mann, freue mich, wenn ich meine Töchter gut versorgt weiß; aber so mit List einen Menschen einfangen, der für die eigene Schwester schwärmt, pfui! Und die Gertrud – eine verheiratete Frau! Das kommt eben davon, daß ihr ohne Mutter aufgewachsen seid.«

Maggie ließ ihn weiter reden und dachte sich ihren Teil. Sie wußte, wenn er sich die erste notwendige Empörung vom Herzen gesprochen hätte, würde er sich die Sache überlegen und schließlich sehr froh sein, wenn zunächst die Kurowskische Eheangelegenheit eingerenkt wäre.

Seckersdorf fanden sie mit einem kleinen Jagdwagen am Treffpunkt vor. Sein ehrliches Gesicht strahlte, als er Maggie sah. Sie aber hatte eine widrige Empfindung, fast wie Abneigung, als sie ihm die Hand gab und dabei dachte: »Diese Freude gilt der Erwartung, von Gertrud zu hören.«

Es schien nun wirklich, als ob ihr Vater sie an einer Aussprache mit Seckersdorf hindern wollte Er bemächtigte sich seiner ausschließlich, gab ihm Anweisungen, als sollte jener selbst die Aufsicht übernehmen, und was das Schlimmste war, Seckersdorf hörte mit vollster Aufmerksamkeit zu, fragte, ließ sich belehren und sprach selbst so anhaltend zu den Leuten, daß sie schließlich eine ungeduldige Bemerkung über seinen Eifer machte.

Er wandte sich um. »Entschuldigen Sie mich,« bat er. »Ich bin Landmann mit Leib und Seele und kann in Sachsen verwerten, was ich hier lerne. Wir haben auf Isenburg ganz ähnliche Forstverhältnisse.«

»Sie gehen wieder zurück?« fragte sie, froh, ein Gespräch anknüpfen zu können.

»Wahrscheinlich.«

Der Oberförster rief ihn, ehe er etwas hinzufügen konnte, von neuem an. Er hatte an einem der wenigen geschlagenen Stämme ein fremdes Forstzeichen bemerkt und fragte nach dessen Bedeutung.