Seckersdorf wußte sie nicht. Der Oberförster sprach Vermutungen darüber aus, warnte vor Holzdieben, die in der Gegend ein freches Wesen trieben; und darüber ereiferten sich beide Männer so, daß Maggie niedergeschlagen hinter ihnen herging und ihren heutigen Versuch als verfehlt zu betrachten begann.

Dabei steigerte sich aber der Wunsch, sich zur Geltung zu bringen, zugleich mit dem Abneigungsgefühl gegen Seckersdorf, der ihr diese Absicht so erschwerte. Und als ihr Vater ihr einmal, aus dem Gespräch heraus, an dem sie nicht teilnehmen konnte, einen listig triumphierenden Blick zuwarf, kochte eine jähe Wut gegen ihn, Seckersdorf und Gertrud in ihr auf. Aber dann wurde sie wieder ganz kalt. »Nun gerade!« sagte sie sich, und wartete zornig und geduldig zugleich.

Und ihre Stunde kam.

Das Wetter änderte sich plötzlich. Der Wind schien die schweren Wolken, die massig und unbeweglich über dem Wald gestanden hatten, mit einemal niederzudrücken. Sie fielen als dichter, fast tropfender Nebel nieder, der sich jeden Augenblick mehr zusammenzog und in kürzester Zeit ein tüchtiger Landregen werden mußte.

Der Oberförster, der sich auf seine Wetterkunde viel einbildete, war außer sich. Zwei Tage noch hätte sich das Wetter halten müssen, und nun äffte es ihn auf solche Weise. »Wenn ich allein wäre, wollte ich übrigens nicht viel davon reden,« sagte er schließlich. »Aber das kommt davon, wenn man ein schwacher Vater ist.«

Maggie lachte. »Mir macht doch das bißchen Regen nichts, und mein Lodenkleid ist auch daran gewöhnt.«

»Aber meine Herrschaften, mein Wagen ist ja da ... Ich fahre Sie natürlich nach Hause!« sagte Seckersdorf, halb verlegen, halb froh.

Er wechselte mit Maggie einen Blick.

Sie sah ihn erstaunt und vorwurfsvoll an; denn es war wider ihre Abrede, daß er in das Haus des Vaters kam. Er schien ihr jedoch zu antworten: »Aber das ist ja force majeure, siehst du das denn nicht ein?«

Der Oberförster verstand beide. »Nein, lieber Freund, das nehm' ich nicht an,« sagte er. »Fünf Meilen in einer Tour ist zu viel für Ihre Gäule!«