Seckersdorf stutzte. In einer Fahrt? Das war ja eine offenbare Ablehnung seines Aufenthaltes im Hause, jedes Verkehrs mit ihm. Er verbeugte sich also und machte ein höflich leeres Gesicht, aus dem doch die mühsam bezwungene Enttäuschung hervorguckte.

Der große Junge! dachte Maggie ärgerlich.

»Ich will Ihnen aber einen anderen Vorschlag machen, Nachbar,« fuhr der Alte fort, durch das sekundenlange Schweigen in seinem Vorsatz bestärkt. »Zu Ihnen haben wir knappe zehn Kilometer. Nehmen Sie mich und mein Mädel einfach mit nach Romitten, geben uns einen Teller Suppe, und schicken uns mit den Kutschierpferden oder den Schimmeln nach Hause. Einverstanden?«

»Mit tausend Freuden,« rief Seckersdorf erleichtert aufatmend. »Wenn Sie, und vor allem das gnädige Fräulein, in meinem Junggesellenhaushalt vorliebnehmen?«

Auch Maggie empfand diese Lösung als eine glückliche und freute sich auf das Abenteuer; denn etwas Ähnliches wäre es doch. Während sie einstiegen, sagte sie ihm halblaut: »Papa hatte recht, Sie durften nicht mit!« Dann nahm sie mit dem Vater auf dem Vordersitz Platz, während er vom Kutschersitz her die Zügel führte.

Man fuhr schweigend aus dem Wald heraus, über die langweilige, von Ebereschen eingefaßte Chaussee. Der Regen zog sich wie in Wellen über die Felder zu beiden Seiten, der Wind war still geworden, und kein lebendes Wesen zeigte sich.

Der Oberförster hatte sich frierend in seinen grauen Regenrock gewickelt. Maggie saß gerade und steif auf ihrem Platz, auch schweigend. Nur einmal erkundigte sie sich nach den Grenzen von Romitten, und als sie erreicht waren, kam eine Art Polykratesgefühl über sie. »Das alles ist mir untertänig.« Und besonders amüsierte sie, daß der, dem in Wirklichkeit Feld und Flur einmal gehören sollten, gar nicht ahnte, daß sie in Gedanken mit ihm teilte, daß sie mit dem festen Willen in sein künftiges Besitztum einfuhr: »Hier werde ich in kurzem wohnen, wenn ich es nicht vorziehe, die 'Welt' zu sehen.«

Wie ein Rausch kam es über sie. Ein wilder, energischer Siegerwille brauste durch ihre Gedanken und gab ihrer Erscheinung einen starken, neuen Reiz.

Als sie vom Wagen sprang, ehe noch Seckersdorf ihr helfen konnte, großen, forschenden Blickes das graue Haus musterte, mit einem Lachen, aus dem ein verhaltenes Jauchzen klang, die Kappe ihrer Jacke vom Kopfe schob und von der Schwelle der Tür, die man bei dem hastigen und lautlosen Vorfahren noch nicht geöffnet hatte, den beiden Herren ein übermütiges »Willkommen!« zurief, da fuhr Seckersdorf zurück vor der prachtvollen, kraftatmenden Erscheinung des Mädchens, das ihm mit der ganzen ursprünglichen Frische der Jugend und Hoffnung entgegenlachte.

Dann verlief alles regelrecht und programmäßig. Diener und Hausmädchen versorgten sie tadellos. Maggie wurde aus der großen Treppenhalle, in der eine Bank aus altertümlichem Holzrat mit einem riesigen Bärenfell davor, alte verrostete Kürasse und Waffen und eine Menge vertrockneter Erntekronen ihr ins Auge fielen, in ein altväterisch behagliches, molliges Zimmerchen geführt, in dem alles darauf hindeutete, daß es zum ausschließlichen Gebrauch für Damen bestimmt war.