»Es ist noch von früher her so,« bemerkte das junge adrette Dienstmädchen, »und der gnädige Herr hat es wieder in Ordnung schaffen lassen, damit, wenn Damen kommen, die ihren Platz haben.«

Maggie nickte. Sie hätte für ihr Leben gern gefragt, welche Damen den Junggesellen Seckersdorf besuchten, aber das widersprach ihren Lebensgewohnheiten doch so sehr, daß sie schwieg und mit dem Mädchen nun in der herablassend freundlichen, sicheren Weise verkehrte, die den Leuten so sehr an ihr imponierte.

Frisch frisiert und zurechtgemacht, ging sie unter der Führung des Mädchens in das Eßzimmer. Von der Halle aus gelangte man unmittelbar hinein. Es füllte einen ganzen Anbau, hatte hohe Holztäfelung und ehrwürdigen, unbequemen, aber vornehmen Hausrat; man sah ihm an, daß er von Generationen benutzt worden war. Fremdartiges, uraltes Tafelgeschirr bedeckte auch den kleinen, am Mittelfenster hergerichteten Eßtisch; es stand auf gelblich weißem, feinsten Damast, dessen tiefe Bruchfalten zeigten, daß es lange im Wäscheschrank geruht hatte. Die altertümlichen Gläser mit dicken Füßen trugen eine Krone und zwei verschnörkelte Buchstaben.

Maggie sah das alles mit fast gierigen Blicken. Romitten war ein ehemaliges Majorat, das schon vor dem Aussterben der letzten schwachsinnigen Erben von dem jetzigen Besitzer, dem Onkel Seckersdorfs verwaltet, dann von ihm übernommen war und zu einem neuen Erbgut für seinen jüngsten Sohn eingerichtet werden sollte.

So erzählte Seckersdorf, nachdem er zu Maggie getreten war. Der Oberförster fehlte noch; er wechselte auf seine Zureden die Kleider. Seckersdorf unterbrach sich, da man das Diner anzurichten begann, und trat mit Maggie in eine Fensternische, anscheinend um ihr draußen auf dem großen, gelben Rasenrondel etwas zu zeigen.

»Wie steht's?« fragte er hastig. »Was habe ich zu erwarten? Schnell ... ich bitte Sie ...«

Maggie sah zu Boden. Jetzt war der Augenblick da, in dem sie Gertruds Schicksal und ihr eigenes in ihrer Hand hielt. Bangigkeit und ein prickelndes Wohlgefühl zugleich durchschauerten sie, aber schwanken tat sie nicht.

Sie sah Seckersdorf mit einem bedauernden Blick an, der sich zu einem Ausdruck innigen Mitleids vertiefte.

»Ich weiß nicht recht,« sagte sie suchend, »Herr von Seckersdorf, ich müßte da viel sagen. Im Grunde glaube ich ja doch, daß Gertrud an Sie denkt. Ich glaube es nur! Aber ich habe schließlich nicht so viel Verständnis für das Verantwortlichkeitsgefühl einer Mutter.«

»Was heißt das, Fräulein Maggie?« fragte Seckersdorf bestürzt. »Haben Sie Ihrer Schwester gesagt, was ich in Vokellen ...«