»Gertrud ... Du? Das ist ja himmlisch! Trude ... in diesem Wetter!«

Die beiden Schwestern lagen einander in den Armen. Die ältere preßte ihren Kopf fest gegen den Hals der jüngeren. Dann küßte sie den Vater und Fräulein Perl.

Alle drei standen um sie und sahen sie erwartungsvoll an. Sie kam selten nach Hause, seit ihr Vater und ihr Mann einen großen Streit gehabt hatten und einander nicht mehr besuchten. Monatelang war sie nicht da gewesen. Jetzt stand sie still und mit gesenktem Kopfe da.

Sie war sehr schlank, einen halben Kopf größer als die Schwester. Aus einem sehr regelmäßigen schönen Gesichte sahen graue, sanfte Augen schüchtern und traurig um sich. Der Kopf trug einen dicken Knoten schimmernden, weißblonden Haares. Ein Hauch der scheuen Vornehmheit, die sich in die Formen äußerster Einfachheit zu hüllen liebt, ging von ihr aus. Ihr dunkelblaues Tuchkleid schloß knapp an den schlanken, schönen Körper und knisterte, wenn sie sich bewegte.

»Wie blaß du bist, Gertrud! Ist etwas geschehen?«

Sie nickte. »Bringt die Kinder fort, ja? Ich habe euch viel zu sagen.«

Fräulein Perl führte die Jungen in das Eßzimmer.

Der Oberförster war rot geworden. Seine Blicke suchten unruhig die Tochter.

»Hoffentlich kommst du mir nicht ...«

Gertrud machte eine kleine Bewegung mit der Hand, und er war still, musterte sie aber mit mißtrauisch finsteren Augen. Maggie nahm ihre herabhängende Hand und küßte sie.