Der Oberförster kniff die Augen zusammen.
»Überhaupt nicht mehr nötig. Wir kommen ja von Romitten. Bring' den Brief her!«
Eine große Stille entstand.
Gertrud sagte sich immerzu: »Ich muß protestieren, ich muß meinen Brief abschicken.« Aber ihre Lippen zitterten und brachten kein Wort vor.
Der Oberförster stand von ihr abgekehrt und wartete auf das Zurückkommen des Mädchens. Maggie sah mit gespannter Neugier in Gertruds Gesicht, und Fräulein Perl begriff überhaupt nichts. »Hast du denn nach Romitten geschrieben, Herzchen?« fragte sie ahnungslos.
Gertrud schwieg.
Lina trat mit dem Brief in der Hand ein. Der Oberförster nahm ihn ihr ab und winkte ihr hinaus.
Er sah den schmalen gelblichen Umschlag lange an, dann zerriß er den Brief, ohne ihn zu öffnen, und warf ihn in den Papierkorb.
»Pfui!« sagte er, sich vor Gertrud aufpflanzend. »So etwas tut meine Tochter! Was wolltest du von ihm? Heraus damit! Was soll er? Was willst du von ihm ... Schämst du dich nicht?«
Ja, Gertrud schämte sich, als hätte sie ein unsühnbares Verbrechen begangen. Sie wußte vor Entsetzen gar nicht mehr, wo sie war. Sie fühlte sich ganz zerbrochen und dachte nur. »Fort, fort! Oder lieber noch sterben!«