Der alte Herr, dick geworden, mit ein paar sorgfältig hinaufgekämmten, schwarzen Haarsträhnen, ein freundlich ironisches Lächeln um den breiten Mund, war ehemals der Schwerenöter des Kreises gewesen. Seine Frau, lieb und sanft, hatte viel leiden und sich viel grämen müssen. Heute nannten sie sich »Papa« und »Mama«, sahen beide friedlich und fertig aus, und hatten gegenseitige kleine Aufmerksamkeiten für einander, um sich das Leben leicht zu machen.
Das war wohl der übliche Ausklang aller traurigen und frohen Ehemelodieen.
Maggies Gedanken flogen um zwanzig Jahre vorauf zu Gertrud und Kurowski und dann zu sich selbst und Seckersdorf. Ihr wurde ganz schlecht dabei, und sie fühlte wieder die alte, rasende Sehnsucht in sich aufsteigen, auszuschöpfen, zu genießen, solange sie noch jung und ihre Nerven noch dafür empfänglich waren.
Die Freunde fanden den Oberförster verstimmt und Maggie still. Man fing an, sie zu necken, der Name Seckersdorfs fiel, und da die Auklapper alte Freunde waren, machten sie auch eine Anspielung auf Gertrud und die Erbschaft, die Maggie da anzutreten scheine.
»Herrgott!« rief der Oberförster dazwischen. »Wo bleibt denn eigentlich die Gertrud? Vor euch braucht sie sich doch nicht zu verkriechen? Sieh mal nach, Maggie.«
Maggie ging zögernd hinaus. Lina behauptete, die gnädige Frau zu derselben Zeit wie das Fräulein benachrichtigt zu haben.
Als Gertrud auf ihr Klopfen nicht antwortete, machte sie die Tür leise auf.
Die rotverschleierte Lampe brannte auf dem Tisch, auf dem Gertruds Schreibsachen lagen. Sie selbst saß am Fenster.
Maggie trat zu ihr. Sie war zum Ausgehen angekleidet, hatte sich aber in eine weiße Decke gewickelt und sah zum Fenster hinaus.