»Telephonieren Sie sofort nach der Eichstädter Straße, daß das, was Sie vorhin sagten, unbedingt ein Irrtum sein müsse ... die gnädige Frau läge mit hohem Fieber zu Bett ... Ich lasse das sagen ... verstehen Sie? ...«

Natürlich verstand die treue Lina und richtete die Bestellung aus, während Doktor Lohrer, peinlich erregt, neben seiner zusammenhanglos murmelnden Gattin den Arzt erwartete. – – – – –

Es war eine doppelseitige Lungenentzündung, bei dem schwachen Herzen und der zarten Konstitution der Kranken von vornherein eine böse, fast aussichtslose Sache.

Herr Doktor Lohrer stand anfangs ungeduldig und voller Erbitterung und Staunen an dem Bette seiner Frau und spielte in Gedanken mit allen Möglichkeiten – aber er spielte.

Daß das Äußerste in Wirklichkeit eintreten könnte, fiel ihm noch nicht ein zu glauben. Noch empfand er, was geschah, als eine ihm zugefügte Beleidigung, sogar als die Lage schon fast hoffnungslos war.

Der harte Kampf dauerte länger, als man gedacht hatte. Der ganze Apparat, der der Krankheit zu Leibe geht, wenn sie in ein reiches Haus eingebrochen ist, war in Tätigkeit.

Der Wagen des berühmten Spezialisten hielt morgens, mittags und abends vor der Tür. Der vornehme Hausarzt wich kaum von dem Krankenlager, und ein jüngerer Kollege war zur Hand, wenn er seiner anderen Praxis nachgehen mußte.

Im Krankenzimmer selbst waltete eine barmherzige Schwester mit trüben Augen und fest zusammengezogenem Munde ihres Amtes. Was die Medizin an Hilfsmitteln geben konnte, war in Anwendung, aber das Fieber, das an dem zarten Körper fraß und schüttelte, übertrumpfte alle Sorgfalt, alle Bäder und alle Medikamente. Atemnöte und Beklemmungen füllten die langen, bangen Stunden ... und wenn die Temperatur nur ein weniges zurückging, wollte das Herz seinen Dienst nicht mehr tun.

Nach mühseligem Kampf gegen die zunehmende Schwäche kam der Augenblick, in dem die Ärzte andeuteten, daß man, wenn nicht ein Wunder geschähe, in kurzem auf das Schlimmste gefaßt sein müßte ...

Herr Doktor Lohrer, der seinen vollen Anteil an der Pflege aufopfernd Tag und Nacht getragen hatte, nahm die Botschaft stumm und mit gebotener Fassung entgegen und achtete nach wie vor auf die peinlich genaue Ausführung der ärztlichen Anordnungen.