Inzwischen lief er ruhelos zwischen dem Krankenzimmer und seinem Schreibtisch hin und her.

Auf einer dieser Wanderungen, nachdem er minutenlang das arme zuckende und gedunsene Gesicht der Sterbenden kummervoll betrachtet hatte, ging er zu dem Marmorporträt in seinem Zimmer hinüber, das vor zwei Jahren in Brüssel Lambert von ihr geschaffen hatte.

Aus dem, wie es die Mode betont, teilweise roh gebliebenen Marmor, hob sich das feine Köpfchen Erikas mit dem überzarten Halsansatz. Ein träumerisch scheues Lächeln, eine kleine melancholische Ironie belebten die regelmäßigen Formen.

Ja, das war die Gattin von Lovis Lohrer, das war das Bild der Frau, die seinem schönen Hause den Stempel zartester Ästhetik aufgedrückt hatte, das war das Bild, vor dem er erleichtert aufatmete. Von dem der armen Leidenden, die schmerzentstellt, Vernichtung in den verzerrten Zügen, da drüben kämpfte, wendete sich etwas ihm ab ...


Draußen kroch der Tag langsam und grau heran.

Da hörte auf dem Sterbelager das stoßweise Atmen und Röcheln plötzlich auf.

Die Schwester schreckte zusammen und beugte sich über ihre Kranke.

Die lag, plötzlich weiß und schmal geworden, mit großen, schimmernden Augen da.

Die Schwester trocknete ihre feuchte Stirn und nahm ihre Hand.