Ob sie daran dachte ... An den unvergeßlich grauenhaften und doch schönen Tag ...

Die Nachbarkatze hatte das einzige, was der Major auf der Welt liebte – seinen Kanarienvogel, gefressen – und er, mit dem Burschen gemeinsam, sie gefangen und mit einem alten Degen lebendig an die Wand gespießt.

Sie schauderte noch heute, wenn sie daran zu denken wagte. Halb bewußtlos vor Grauen, war sie zitternd aus der Wohnung gelaufen. In der Abenddämmerung durch den Garten über den Wiesenweg zu dem kleinen Haus neben dem Tannenkrug, in dem Doktor Ender allein wohnte ...

Fassungslos war sie ihm um den Hals gefallen und hatte nicht mehr fortgehen wollen – und war dann doch selig – als sein Weib – unempfindlich gegen das, was sie zu Hause erwarten konnte, heimgeschlichen ...

»Hätten wir damals – nach jenem Maiabend, den Mut gehabt, uns zueinander zu bekennen« – sagte Doktor Ender nachdenklich.

»Um Gottes willen,« rief die Geheimrätin. »Ohne Existenzmittel – die Kinder in seinen Händen ... Sie selbst haben das doch damals für unmöglich gehalten ... Ich hätte es ja auch gar nicht überlebt – Splettner hätte mich wie jene Katze, glaube ich – doch warum diese überflüssigen Erwägungen? ... Vier Jahre später war er tot ...«

»Und wieder ein paar Jahre später war ich ein wohlhabender Mann – aber was half uns beiden das? Uns hatte die Nacht vom 8. September auseinandergefegt. Und doch hätte sie uns zusammenkitten müssen, wenn man's recht bedenkt ...«

»Nein, nein, es war schon richtig so, daß wir uns nicht mehr sahen ...«

»Angst war es vor der Welt – bei mir mißverstandenes Ehrgefühl dazu. Darüber haben wir einen unschuldigen Menschen ins Verderben und in einen frühzeitigen Tod gejagt. Haben Sie daran nie gedacht? ...«

»Dieser Kellner Hake war ohnedies ein verlorener Mensch. Er hatte allerlei Schandtaten auf dem Gewissen. Ich habe mich später erkundigt ...«