Und niemand von ihnen machte vor ihr Halt. Niemand hauchte ihr im Vorüberstreifen ein gutes Wort zu, auch die Liebsten glitten mit weit offenen und doch blicklosen Augen an ihr vorbei und zerflatterten in dem grünen Dämmer.

»Ich habe nicht Kraft genug, euch zu rufen oder zu halten,« dachte sie traurig, »sonst sprächt ihr wohl mit mir.«

Sie senkte die Blicke und drückte das Gesicht in die lebendigen Blumen ...

»Was machst du mit all dem blühenden Unsinn?« fragte da aus dem Schattenzuge her eine spöttische Stimme.

Ja, was macht man mit blühendem Unsinn? – Man freut sich daran – man hebt ihn auf – man wirft ihn weg.

»Doch – wer fragte mich denn? – wer war das?«

Sie schaute auf, und da sah sie dicht vor sich den, der sie vor langer, langer Zeit jenes Lied gelehrt hatte, mit dessen Versen sie diesen Weg gegangen war.

»Wie kommst denn du her zu mir? An dich hab' ich kaum gedacht – und gerade du bist da?«

Ein leises Lachen. Und wie der Schatten immer körperlicher wurde! Zum Erstaunen lebendig, gar kein Traum mehr ... die große, gedrungene Gestalt mit der nachlässigen Haltung ... die breiten, festen Hände – das Gesicht, häßlich mit seinen hervortretenden Backenknochen, dem grausamen Munde, um den Zärtlichkeit und Hohn spielten ... Und die Augen. Ja auch diese merkwürdigen grauen Augen mit dem rasch wechselnden Blick ...

»Es ist kaum zu glauben, wie deutlich ich dich sehe,« sagte die Frau. »Dich ... dich? ... Ja, hab' ich dich denn noch »du« genannt, als wir uns zuletzt sahen?«